Was ihr sucht, das findet ihr auch - seid wie eine Biene! ~ Ohne Einladung zum Tee trinken vorbeikommen? ~ Im Künstlerischen: Richtet euch nicht nach Vorbildern, sondern schafft aus der Seele! ~ Darum beten das negative Programm im Sohn zu verbrennen? ~ Darf man entgegen dem Wunsch der Mutter mit der Enkelin sprechen? ~ Darf ein Mann einer Frau beim Spazieren vorschlagen, sich bei ihm einzuhaken? ~ Wenn ihr Angst davor habt aufgrund eurer Frage belächelt zu werden, zeigt das auf einen großen Mangel in euch. ~ „Die Insel“ - ein sehr gelungener Film ~ Ist es richtig, sich zu bemühen, mehr zu tun, als man kann? ~ Darf man während des Stillens des Kindes etwas anderes machen? ~ Es ist nicht nötig zu erzählen, in wen man verliebt ist. ~ Versucht nicht andere zu beschränken, handelt so, wie ihr es für richtig haltet! ~ Über Askese
1. Der vierzehnte Tag im April. Die festliche Liturgie endete im Farntal mit der Verschmelzung mit dem Lehrer.
2. Nach der Verschmelzung wandte sich der Lehrer mit einem knapp bemessenen Wort an die Gläubigen.
3. „Ich gratuliere euch, meine Freunde! Ich gratuliere euch zu einem großartigen Fest, und es wäre schön, wenn das Wesen des Festes jeden Tag erscheinen würde. Wie auch am Fest des Neuen Jahres möchte Ich nicht viel sagen. Es sei denn, Ich erwähne aufs Neue eine schon bestehende interessante poetische Weisheit.
4. Wenn eine Fliege in einen blühenden Garten, einen großen Garten hineinfliegt, wo es viele Blumen gibt, wird sie lange fliegen, bis sie so ein kleines, schlimm riechendes Ding findet, sich darauf setzt und ihre Befriedigung findet. Und eine Biene, selbst wenn sie in einen Viehhof fliegt, findet sie den kleinen Löwenzahn und sammelt den Nektar.
5. So, vergesst nicht, wer ihr seid, ihr, die ihr bestrebt seid, Nektar zu sammeln. Was ihr sucht, das findet ihr auch.
6. Ich wünsche euch Glück, Freude! Bis zu unserem nächsten Treffen, wo wir weiterhin viele Wahrheiten eures nicht einfachen Lebens berühren werden. Ich gratuliere euch zum Fest!“
7. Hier Fragmente der Treffen mit dem Lehrer nach der Verschmelzung vom ersten und zweiundzwanzigsten April.
8. „Lehrer, handelt es sich um eine Schwäche bei einem Mann, wenn er ohne Einladung einfach zum Teetrinken bei jemandem vorbeischaut?“
9. „Er wird ohne Einladung das Haus von jemandem betreten, um Tee zu trinken?“
10. „Ja, wird einfach so vorbeischauen...“
11. „Also sofort an der Schwelle heißt es: "Gebt mir Tee." Oder auf welche Weise kann er zum Teetrinken vorbeischauen? Oder schaut er durch das Fenster: Alle trinken Tee, er tritt ein – und tritt an der Schwelle von einem auf den anderen Fuß, schon, damit man ihn natürlich zum Tee einläd? Also, was bedeutet es,"zum Teetrinken vorbeischauen"?
12. „Gerade so die zweite Situation. Gehe, sehe: Es wird Tee getrunken. Denke: Geh' ich mal auf einen Tee hinein. Trete ein: "Hallo, Leute!" Es ist immer gut, mal zusammen zu sein.“
13. „Möchte man mal mit anderen zusammensitzen?“
14. „Na ja, mal plaudern, zusammen sein...Es hat sich in mir einfach eine Deiner Aussagen eingeprägt: "Ob sie das wirklich so brauchen?" Ich denke jetzt einfach so darüber nach.“
15. „Nein, so soll man nicht vorbeischauen. Auf diese Weise kann man durchaus aufdringlich erscheinen. Und man wird dich einladen, aber man wird denken, dass es sehr schön wäre, wenn du nicht vorbeischautest“, lächelte der Lehrer. „Aufgrund ihrer Güte können die Menschen es nicht sagen, aber es kann durchaus so sein, dass das aufdringlich ist. Das kann vorkommen.“
17. „Das kann schon, weißt du, irgendwie möglich sein, wenn du irgendwie mehr oder weniger sicher bist, dass sich dein Verhältnis mit diesen Menschen auf so einem Niveau befindet, dass sie immer froh sind, dich zu sehen. Dann ist das noch normal.
18. Das muss sich aber irgendwie formen, wobei du anfängst, dir dessen zumindest irgendwie sicher zu sein. Dann kann man solch eine Situation zulassen. Denn in Wirklichkeit kann man sie nicht als eine offensichtlich anormale Situation bezeichnen. Obwohl es einen gewissen Teil von Unbescheidenheit dabei gibt.“
19. „Und wenn ich in Bezug auf viele Menschen sicher bin, dass das normal ist? Ich bin mit vielen befreundet...“
20. „Eben sicher, dass sie froh sind, dich immer zu sehen?“
21. „Ja, sie sind froh, mich zu sehen.“
22. „Weißt du, man kann dann eher sicher sein, wenn du zum Beispiel mal vorübergehst und sie dich sehen, jemand schnell aus dem Haus kommt und sagt: "Und warum schaust du nicht rein? Du siehst doch: Wir trinken Tee. Komm rein, setz dich!"“
23. „Aber das kommt auch mehrfach vor.“
24. „In solch einem Kreis kann man dann so vorbeischauen, wie du es gesagt hast. Dann kann man das schon als irgendeinen Teil von Gewissheit einschätzen. Denn so eine Handlung hat es schon gegeben, und man hat dir schon gesagt: Wenn du vorbeigehst, so schau immer herein, jederzeit – wenn du siehst, dass man sitzt und Tee trinkt; man ist immer froh, dich zu sehen, komm rein, geh nicht vorbei.“
25. „Also, ich verstehe Dich jetzt so, dass es einmal reicht, dass sie mir sagen: "Warum schaust du nicht herein? Du gehst vorbei – und so komm doch herein." Aber das kann doch ziemlich lange dauern. Oder soll ich mich danach auf mein Gefühl verlassen, dass es sich doch schon um eine Übertreibung handelt?“
26. „Na, dies soll alles natürlich sowieso erspürt werden.
27. Es geschieht einfach, so, wie Ich es von irgendjemandem höre, also jemand kann etwas über einen anderen Menschen mitteilen, dass derjenige redet, redet... und es schwierig ist, wenn er da ist, er redet, und es ist kompliziert, ihn hinaus zu bitten... Menschen geraten in solch schwierige Situationen.
28. Das heißt, eine derartige Situation kommt doch bei euch vor. Darum kann man natürlich nicht sagen: Schaut immer vorbei und redet. Da Ich diese Situation schon kenne, kann Ich nur diesen einen Hinweis geben.
29. Natürlich soll man fühlen, die Ereignisse beobachten. Zu irgendeinem Zeitpunkt sind alle froh, aber es kann durchaus so sein, dass dieselben Menschen es bei irgendeiner anderen Gelegenheit nicht möchten, dass du noch vorbeischaust. Dies ist ohne weiteres möglich, das kann auch unter Freunden möglich sein.
30. Freunde sind nicht diejenigen, die in die Kommunikation mit dir verliebt sind und bereit sind, deiner Stimme ohne Ende zuzuhören. Nein, sie freuen sich über das Kommunizieren mit dir, aber es kann solche Minuten geben, wo man das nicht möchte, also wo so etwas stört.
31. Also, im Inneren finden irgendwelche Gemütsbewegungen statt, gibt es irgendwelche besondere Gedanken, und in so einem Moment passt der übliche Umgang, der vorher stattfand, nicht dazu. So etwas kann durchaus passieren. Darum soll man überall hinspüren. Ein einziger Hinweis kann für diesen Fall auf keine Weise gegeben werden.“
32. „Lehrer, darf ich singen, mich an Konzerten beteiligen, wenn ich fühle, dass ich mein klassisches, professionelles Niveau, das ich in der Welt hatte, schon verloren habe, und hier nehme ich einfach all meine Kräfte zusammen, um mich damit zu beschäftigen, soweit meine Zeit ausreicht?“
33. „Das bezieht sich in keiner Weise auf das Geistige.“
34. „Also, wenn man mich bittet, kann ich dann singen, ja?“
35. „Du bestimmst selber, inwiefern du diese Handlung für dich als günstig einschätzt. Das bestimmt der Meister, das kann man nicht anders behandeln. Man kann nicht sagen, dass du das machen sollst.“
36. „Also, ich sollte auch irgendeine Befriedigung dabei haben, ja?“
37. „Natürlich, du sollst irgendeine persönliche innere Kontrolle haben. Das heißt, sogar wenn die Menschen darum bitten, dass irgendein Maler oder irgendein anderer Schaffender, ein Meister, etwas macht, ihm das aber persönlich keine Befriedigung bringt, dann soll er es nicht nur deswegen machen, weil er dadurch eine Möglichkeit hat, Geld zu verdienen, oder um irgendwelche Werte zu erwerben.
38. Und natürlich ist es besser, so ein Werk nicht abzugeben. Wenn es euch nicht gefällt, dann zerbrecht es, zerstört es. Es ist normal, dass ihr es den Menschen nicht gebt, wenn es schon in eurem Inneren keinen richtigen Nachhall findet, so, wie man es möchte.“
39. „Und wenn es solch hohe klassische Beispiele gibt, die zu erreichen jetzt unter diesen Umständen einfach sehr schwer sind, was soll man dann tun? Solche Werke einfach nicht singen, ja? Denn unser Leben ist so eigenartig, und man kann seinem professionellen Niveau unmöglich so viel Zeit widmen, wie es nötig wäre.“
40. „Richte dich nicht so nach Vorbildern.“
41. „Soll man sich nicht nach hohen Vorbildern richten?“
42. „Schaffe mit deiner Seele, es soll bei dir von deiner Seele her geschaffen werden und deine Empfindungen befriedigen.“
43. „Nur auf der Gefühlsebene bestimmen, ob ich vor Menschen auftreten kann oder nicht?“
44. „Ja, natürlich. Sonst geschieht es so, dass, wenn sich der Künstler nicht bis zu solchen Vorbildern erheben kann, die schon in der Kunstszene der Welt existieren, so dürfte er so etwas sowieso überhaupt niemandem zeigen, solange er nicht diesen Gipfel erreicht hat. So etwas wäre nicht richtig.
45. Die Hauptsache ist die von deiner Seele gefühlsbetonte, reine Äußerung, die in der Musik, im Gesang ausgedrückt wird. Hier ist das das Wichtige.
46. Wenn man dich bittet, und die Menschen wollen dich hören, und es ihnen wirklich angenehm ist, es sie wirklich auffüllt, sie, nachdem sie deine Vorführung erlebt haben, selber noch mehr kreieren wollen, so hast du schon das Recht, dein Können mit den anderen zu teilen, unabhängig davon, ob dieses den Vorbildern, die irgendwo eingeprägt sind, entspricht oder nicht.“
47. „Wenn es bei uns Festlichkeiten gibt, besonders die großen, so setzt ein professioneller Streit ein zu dem Thema, welche Nummern ins Konzert aufgenommen werden: Jemand sagt, das habe ein entsprechendes professionelles Niveau, und ein anderer sagt, es handele sich dabei nicht um das entsprechende Niveau. Ist es denn richtig, sich in diesem Fall auf den Rat der Musiker zu stützen, und wenn sie alle zusammen so entschieden haben, so wird diese Nummer aufgestellt?“
49. „Es zeigt sich, dass wir kein Kriterium für Professionalität haben. Darf man...“
50. „Der Verantwortliche (im Russischen: "Starschi" = der Älteste, Anm. d. Übers.) entscheidet.“
52. „Aber ihr sollt doch selbst bestimmen, wie ihr entscheiden werdet: ob dies nur einem Menschen anvertraut wird, oder einer Gruppe von Menschen.“
54. „Lehrer, ist es für meine Seele günstig gewesen, dass ich gebetet und den Vater darum gebeten habe, dass Er mir helfe, das negative Programm, das ich meinem Sohn weitergegeben habe, zu verbrennen?“
55. „Es wird nicht verbrannt, es ist sinnlos, darum zu bitten. Deine Aufgabe ist es, das zu beseitigen, was du heute bezüglich deiner Handlungen, zu denen du neigst, als falsch ansiehst. Daran sollst du arbeiten. Wenn etwas schon eingelegt wurde, so ist das schon nicht mehr zu berichtigen.
56. Je mehr du dich änderst, umso mehr kannst du dieses Programm schwächen, natürlich. Denn der Faden zieht sich... solche vielen Fädchen verbinden sich unter Verwandten, besonders zwischen Eltern und Kindern (solch eigenartige Gefühlsfädchen). Und daher, je mehr du dich veränderst, je besser du wirst, reiner wirst, umso dünner werden irgendwelche Fädchen, an denen du arbeitest. Und vielleicht verschwinden sie auch irgendwann.
57. Dann wird das Programm, das in das Kind eingelegt wurde, natürlich nicht mehr ernährt. Und es wird schon durch seine Arbeit... es bewältigt das schon leichter, wenn es wiederum daran arbeitet. Wenn es nicht daran arbeitet, dann wird sich das bei ihm verstärken, sogar selbst wenn dieses Fädchen verschwunden ist.
58. Das Programm selbst verschwindet nicht! Diese Vorstellung kann man schon vergessen. Wenn dieses Programm eingelegt wurde, so wird es selbst von sich aus nicht mehr verschwinden.“
59. „Noch eine Frage. War es richtig, dass ich meine Tochter um Erlaubnis zu einem Gespräch mit deren Tochter, die schon 18 Jahre alt ist, gebeten habe, damit sie (die Enkelin, Anm. d. Übers.) ihre Entscheidung, ins Wohnheim zu ziehen, als fehlerhaft versteht, da es doch das Zuhause gibt? Und meine Tochter hat es mir nicht erlaubt.“
60. „Nun, zu sagen, das sei fehlerhaft - das ist nicht richtig. Wenn das Kind vom Haus ins Wohnheim übersiedeln will, so ist es nicht richtig, das eindeutig als einen Fehler anzunehmen. Hier gibt es keine Übertretung.
61. Hier soll man etwas anderes betrachten – das Motiv. Angenommen, das Kind hasst schon die Situation, die sich um es herum zu Hause bildet, es kann sie nicht mehr erdulden, sie ist für das Kind nicht mehr erträglich, und es will sich einfach hin zu beliebigen anderen Umständen losreißen, und das Wohnheim war das einzige, was möglich war. Dann ist das nicht richtig.
62. Denn hier wird die Frage anders gestellt: ob es richtig ist, von Situationen, die entstehen, wegzulaufen? Ob es nicht besser ist, versuchen zu lernen, sie richtig zu lösen? Das heißt, man soll dann schon die Frage anders betrachten.
63. Aber wenn dieser Mensch einfach andere Lebensumstände, nach welchen ihn dürstet, irgendwelche Kommunikation, die er zu Hause nicht vorfindet, für günstig hält, wenn er einfach sieht, dass es dort interessanter ist, dass es ihm dort besser geht, er dort irgendwie voller lebt - ja bitte, das ist normal.“
64. „Und ist es richtig, meine Tochter um Erlaubnis zu fragen, wenn ich mit meiner Enkelin sprechen will? Und wenn meine Tochter sagt: "Nein, du sollst dich nicht mit ihr treffen", und ich dabei trotzdem den Wunsch verspüre, meine Enkelin zu sehen und mit ihr über irgend so ein Thema zu sprechen, darf ich sie dann treffen?“
65. „Es wäre dabei gut zu überlegen, von welchem Standpunkt aus du mit ihr sprechen willst. Ich habe nur zwei Varianten genannt. Eine Sache ist, wenn der Mensch aus dem Hause weglaufen will, irgendwohin einfach weglaufen. Eine andere Sache ist, wenn er wirklich den Wunsch hat, dorthin zu gehen, dort ist es für ihn interessant. Dann macht es auch keinen Sinn zu reden.
66. Aber wenn man wirklich helfen möchte, weil zu sehen ist, dass so jemand dort ein Problem hat und davor weglaufen will, dann kann man sprechen, ohne um Erlaubnis zu fragen, denn jedermann, der ihm, dem Kinde, auf seinem Weg begegnen kann, kann mit ihm reden.
67. Und das bedeutet nicht, dass jedermann, der wünscht, dem Kind etwas zu raten, sich zuerst bei seinen Eltern erkundigen muss, ob es möglich sei, dass er ihm etwas sage. So etwas gibt es nicht im Leben. Darum, so, wie ein beliebiger Mensch kommunizieren kann, so kannst auch du es machen.
68. Aber wenn sie versucht, ihrer Tochter irgendeine ihrer Ideologien aufzuzwingen, sie dorthin irgendwie leise mittels ihrer Bemühungen hinzuführen, und deine Ideologie unterscheidet sich von dem, was die Mama ihrer Tochter beizubringen versucht, dann musst du sie nicht leise in eine andere Richtung hinüberziehen, solange, bis dich das Mädchen selber fragt, welche Ansicht du bezüglich der einen oder anderen Umstände hast.“
69. „Ist es unbescheiden, wenn ein Mann einer Frau vorschlägt, sich auf seinen Arm zu stützen, während sie gerade irgendwohin gehen?“
70. „Je nach dem, um was für eine Situation es sich handelt. Vielleicht ist das wirklich offensichtlich notwendig. So etwas kann durchaus sein.“
71. „Wenn es rutschig ist, kenne ich als Antwort. Und wenn wir einfach gehen, reden...“
72. „Und du sagst: "Hake dich bei mir ein", obwohl es nicht nötig ist, ja? Du musst das doch irgendwie vorschlagen.“
74. „Und wie? Oder hältst du deinen Arm so auf deiner Seite, damit sie von selbst darauf kommt, deinen Arm zu nehmen? Du sagst: "Nun, stütze dich auf meinen Arm." Und wenn sie fragt: "Und wofür?"“, lächelte der Lehrer, „"Einfach so, mir wird es angenehm sein."“
75. „Ja... ich denke einfach über dieses Thema nach. Und ich dachte, dass es anscheinend auch schön wäre, wenn die Frau fragt: "Darf ich mich an deinem Arm festhalten?" Aber ich weiß doch, dass es mir angenehm wäre. Wenn ich weiß, dass es mir angenehm sein wird, darf ich es sagen...“
76. „Schlag lieber das Vernünftige vor – wenn du wirklich siehst, dass es nötig ist. Für einen Mann wird es so passender sein.“
77. „Ich habe Vernunft meinerseits darin gesehen: dass wir einander näher sind und dass es mir angenehm sein würde...“
78. „Das ist nichts Vernünftiges. Angenehm – das ist nicht das Vernünftige. Das Vernünftige ist, wenn man sieht: sie kann rutschen, fallen, sich stoßen. So geht man damit vernünftig um.“
79. „Und ist eine solche Herangehensweise vernünftig: wenn wir einander näher sind, dann braucht man miteinander nicht so laut zu schreien?“
80. „Näher? Also in Wirklichkeit geht ihr so, dass ihr einander anschreien müsst, ja? Und dann sagst du: "Hak dich ein", während du in Wirklichkeit meinst, dass du ihr näherkommen möchtest.
81. Und einfach sagen: "Komm näher zu mir, sonst werde ich vom Schreien heiser. Was ist das für ein Gespräch, wenn ich dich kaum sehen kann? Komm näher, wir unterhalten uns dann auf ruhige Weise"? Vielleicht so etwas vorschlagen? Dann wird es vernünftig sein“, lächelte der Lehrer.
82. „Und wenn sie einen Meter von dir entfernt geht, dann schreit ihr kaum – ihr redet dann ruhig.“
83. „So, einen Meter entfernt... das ist doch einen Meter weit weg!“
84. „Nun, sag: "Komm bitte etwas näher. Oder hast du etwas zu verbergen?" Vor allem hast du deinen angenehmen Wunsch ausgedrückt – euch gegenseitig zu berühren? Es ist nicht wichtig, ob man tatsächlich laut reden muss, die Hauptsache ist doch, sich zu berühren, und so schlägst du in erster Linie vor, einander zu berühren, also sich in deinen Arm einzuhaken.
85. Hier überwiegt nicht die Vernunft in erster Linie, sondern einfach der reine Gefühlswunsch. Und Wünsche sind nicht immer vernünftig.
86. Darum ist es hier besser, wenn du einfach vorschlägst, etwas näher zu kommen. Sag: "Komm bitte etwas zu mir heran, sonst sprechen wir in so einem großen Abstand miteinander." Nun, das ist ein normaler Vorschlag.
87. Aber dann sei aufmerksam: ob es dort wirklich Raum gibt, sodass man näher auf dich zukommen kann? Sonst kann es sein, dass der Mensch nahe neben dir geht, und du sagst: "Komm noch näher zu mir, ich höre dich irgendwie nicht." Damit sie schon dicht an dir in dein Ohr flüstert, wobei sie dich zärtlich umhüllt, und du beginnst schnurrend etwas zu antworten, wobei du die Wörter verwechselst...“ – Der Lehrer lachte auf und mit ihm die Zuhörer.
88. „Mich irritiert eine Frage“, so im Weiteren ein Fragender. „Die Verschmelzung... dann nimmt das Treffen seinen Lauf, und bisweilen macht man irgendwelche Witze, man lacht irgendwo... Es gibt zwei Meinungen. Ein Teil der Menschen meint, dass das normal sei: die Atmosphäre sei so leicht, und ein Mensch könne ruhig seine Fragen stellen. Und die anderen sagen: "Wenn gelacht wird, habe ich sogar Angst, Fragen zu stellen, weil man auf einmal über mich lachen könnte."“
89. „Aha, Ich wollte das gerade hinzusetzen, aber du stellst schon die zusätzliche Frage.“
91. „Ja, ist dir gelungen. Natürlich ist es ein großer Mangel, wenn man das Lachen, in diesem Fall das Lächeln, vom Standpunkt der Angst her betrachtet. Wenn jemand es auf diese Weise betrachtet, dann handelt es sich um einen großen Mangel bei diesem Menschen.
92. Also ihr habt dabei sehr aufmerksam zu sein, ihr dürft nicht versuchen, vor Mir eure Klugheit zu zeigen. Denn dann folgt daraus, wenn Ich eure Fragen irgendwie beantworte und das ein Lächeln hervorruft, dass ihr sozusagen irgendeine dumme Frage gestellt habt.
93. Und ein anderer Mensch, in seiner Angst, ebenso dumm auszuschauen, trifft schon so seine Entscheidung: "Ich werde lieber nicht fragen, damit ich nicht ebenso dumm dastehe wie der Mensch da, der gefragt hat und über den alle gelächelt haben." Das ist ein großer Fehler – so eine Schlussfolgerung. Ein sehr großer Fehler!
94. Ihr sollt euch zu vielen eurer Probleme leicht verhalten. Sie sind ernst, aber es wäre bisweilen wirklich besser, wenn ihr mit Lächeln an sie herangeht, und ihr könnt sie dann leichter lösen.
95. Man sollte lieber nicht seine Stirn runzeln und sagen: "Ach, das ist aber was! Da bist du aber in etwas hineingeraten!..." - und alle zucken plötzlich zusammen, sie sind im Inneren angespannt, es läuft allen kalt den Rücken runter... nun, das war's, eine Todsünde, es bleibt ihm nichts übrig, als wegen dieses Fehlers schon hinter der nächsten Hausecke umzufallen! Nun, es hat keinen Sinn, so etwas alles zu betrachten.
96. Es gibt natürlich schreckliche Fehler. Vor allem die bewussten Fehler. Aber ihr, die ihr hierher zusammengekommen seid, ihr macht tatsächlich eher die Fehler schöpferischen Charakters, das heißt, wegen eurer Unfähigkeit. Ihr bemüht euch, es gut zu machen, aber ihr stolpert und fallt so heftig, sodass es vorkommt, dass ihr alle anderen mit Schmutz, in den ihr gefallen seid, bespritzt, und alle fangen an, sich zu empören. In Wirklichkeit ist das alles normal, das ist kein schrecklicher Fehler.
97. Und hier wird ein jeder gewinnen, der keine Angst vor solch einem Lächeln hat, sondern fragen wird, denn er wird doch dadurch erkennen, und sein Wunsch zu fragen soll nicht davon abhängig sein, ob man darüber lachen könnte, oder wie andere Menschen darauf reagieren könnten.
98. Was hat das mit der Reaktion der anderen Menschen zu tun? Ihr seid gekommen, um für euch zu erfahren, wie ihr euch unter irgendwelchen Umständen richtig verhalten sollt. Also bedeutet das, dass, wenn ihr fragt, so werdet ihr um eine Antwort, die ihr bekommt, reicher. Es ist so besser für euch, ihr werdet reicher.
99. Und hier soll man auf gar keinen Fall darauf achten, wie die anderen das sehen. Ja, wie immer sie das auch betrachten werden! Je mehr sie das falsch betrachten, umso schlechter ist es für sie, sie werden ärmer sein. Und bei dem, der fragt, wird jedes Detail geschliffen, bei ihm entsteht das richtige Verständnis bezüglich jeder Kleinigkeit. Und gerade aus diesen Kleinigkeiten wird schon das Große, das Globale gewoben.
100. Und woraus denn kann dieses Große sonst angesammelt werden? Nur aus Alltagskleinigkeiten, die täglich dutzendmal, hundertmal in eurem anscheinend einfachen Leben vorkommen, aber von diesem Leben hängt das Schicksal der ganzen Menschheit und überhaupt der ganzen Bestimmung ab, derentwegen der Mensch überhaupt geboren wurde. Ein großes Ziel!
101. Denn ihr lauft zu diesem Ziel mit euren kleinen, auf den ersten Blick einfachen Schritten. Doch sie sind nicht einfach. Ihr lernt sie zu machen, ihr schleift euch selbst durch diese ganzen Kleinigkeiten, indem ihr irgendeinen Gegenstand mit irgendeinem Schleifstoff ein wenig berührt.
102. Wenn ihr ihn sogar nur sekundenweise, sogar nur einen kurzen Augenblick (selbst nur so!) berührt – schleift ihr ihn, diesen Gegenstand, mit der Zeit fertig. Einfach, je weniger ihr ihn berührt, umso länger müsst ihr schleifen. Aber ihr werdet ihn fertig schleifen, wenn ihr ihn auf jeden Fall berührt.
103. Wenn Menschen immerzu in eine Kirche kommen, so werden die Stufen nach vielen Jahren ausgetreten, wie Mulden. Die Füße nutzen die Stufen, den Stein, Granit, allmählich ab. Zuerst ist das nicht zu sehen, aber mit der Zeit beginnt man, es zu bemerken. Obwohl man sagen kann: "Nun, was bedeutet das – ich bin nur einmal darauf getreten? Habe ich dabei etwas Bedeutsames getan?" Natürlich! Und mit der Zeit ist das immer mehr zu sehen.
104. So auch in eurem Leben: Jede Kleinigkeit gibt mit der Zeit sehr große Ergebnisse. Und es gibt hier keine solche Kleinigkeiten, von denen man sagen kann: Da kann man doch nicht ernsthaft nachfragen!
105. Für den einen ist es schon nicht mehr ernst zu nehmen, aber für den anderen ist es wichtig, wenn bei ihm diese Frage immerhin entstanden ist. Das ist für denjenigen nicht gravierend, der diese Stufe entweder schon überschritten hat (und diese Aufgabe ist bei ihm schon wirklich gelöst), oder der für sie noch nicht herangereift ist.
106. Man kann dieses Ernstzunehmende in zwei Fällen nicht sehen: entweder bist du wirklich darüber hinausgewachsen, es ist nicht mehr ernst zu nehmen; oder du bist dazu noch nicht hinaufgewachsen, du siehst das überhaupt nicht, darum auch schätzt du das sofort als nicht ernsthaft ein. Doch du siehst das einfach nicht!
107. Daher, wenn die Frage doch entsteht, so ist das einfach auch eine Schulaufgabe: Also schafft es zu fragen, ohne Angst davor, wie immer ihr in den Augen der Menschen aussehen werdet.
108. Ja, mögen sie noch so lachen, mögen sie auch alle durch dieses Lachen darüber, wie ihr das macht, abstürzen! Das soll euch nicht berühren. Ihr habt euch an die Wahrheit gewandt, und ihr wollt einen Schluck vom Lebensnass, einen kleinen Schluck. Vielleicht ein einfaches, aber unschätzbares Nass. Und dies sind schon die Probleme der anderen, wenn sie darüber irgendwie lachen.
109. Seid darum vorsichtig: In Wirklichkeit, wenn man das so ins Lächerliche zieht, gibt es keine guten Ergebnisse. Denn wenn ihr irgendwo in unvorsichtiger Weise lacht, werdet ihr einen schwächeren Menschen erschrecken, und er kann wirklich Angst bekommen, Fragen zu stellen.
110. Aber dann seid ihr auch schon der Grund für die Unannehmlichkeiten im Leben dieses Menschen. Es reicht, dass er selbst sich nicht entschieden hat zu fragen (das ist sein Problem), aber ihr werdet für ihn dabei eine Versuchung, also ihr habt ihn darin noch mehr bestärkt.
111. Vielleicht hätte er sich irgendwo doch dazu entscheiden können, aber ihr habt ihm durch euer Lachen seinen Mut und seine Entschlossenheit, seine Frage zu äußern, endgültig genommen. Das ist alles, ihr habt ihm ein Bein gestellt.
112. Und ihr seid auch Mitbeteiligte an allen weiteren Unannehmlichkeiten, die mit einer nicht gestellten Frage verbunden sind. Und dies wird sich auch auf eigenartige Weise auf euer Schicksal auswirken. Unbedingt! So wie jede eurer Bewegungen sich auf die umgebende Welt auswirkt, so wird auch die antwortende Reaktion unbedingt wirken.
113. Also seid hier vorsichtig. Man muss mehr Weisheit ansammeln, um solche Nuancen zu sehen.
114. Darum fragt mutiger, bremst eure Bemühungen diesbezüglich auf keinen Fall. Das ist nur schlimmer für euch. Das ist auf solch eine Art eine einfache Schulaufgabe.
115. Ihr habt euch ja eine Krankheit eingestanden und wollt euch behandeln lassen. Ist auch nicht schlimm, wenn diejenigen, die euch umgeben, lachen und auf euch mit dem Finger zeigen und sagen: "Oh, ein Kranker ist gekommen!" Es ist dasselbe, wie wenn alle in einem Krankenhaus zusammengekommen sind und aufeinander mit dem Finger zeigen und lachen: "Oh, guckt mal, ein Kranker!"
116. Aber ob dann derjenige, der "ein Kranker" sagt, während er mit dem Finger auf andere zeigt, gesund dasteht? Dabei handelt es sich vielmehr um die Äußerung einer noch größeren Krankheit.“
117. „Lehrer, wir sahen uns den Film "Die Insel" an, und ich wurde von dem Film irgendwie sehr stark bewegt. Alle saßen da und sahen sich den Film auf lustige Weise an. Ich bat: "Um Gottes Willen, lasst mich das in Ruhe angucken." Was ist das – bin ich so ernst? Ich kann es immer noch nicht verstehen: Manche haben ihn auf so leichte Weise angesehen, warum auch immer, und bei mir rief er solch eine Gemütsbewegung hervor.“
118. „Es ist besser, sich zu bemühen, weniger darauf zu reagieren, wie die anderen ihn (den Film, Anm. d. Übers.) anschauen. Wenn sie dich offensichtlich beim Ansehen stören (man spricht laut, und du kannst einige Filmpassagen nicht verstehen, du hörst sie nicht), dann ist es natürlich besser aufzuhören, sich den Film anzusehen und auf eine andere Gelegenheit zu warten, die dafür günstiger sein wird.
119. Aber wenn es dich offensichtlich nicht stört, dann bemühe dich, nicht darauf die Aufmerksamkeit zu lenken, wie man reagiert. Bemühe dich einfach, den Film so anzusehen, wie es für dich in diesem Fall günstig ist.
120. Aber dieser Film regt schon wirklich zu so einer ernsthaften Wahrnehmung an, er ist so... er kann den Menschen tief ergreifen. Das ist, so kann man ihn wohl bezeichnen, ein sehr gut gelungener Film, ein sehr gelungenes Werk.“
121. „Lehrer, aufgrund bestimmter Umstände habe ich seit meinem zehnten Lebensjahr keine Kraft, Gedanken zu fassen. Verstehe ich es richtig, dass die Realität, die sich vor mir formt, dergestalt ist, wie ich sie brauche? Und natürlich werde ich, soweit ich kann, das, was Du sagst, erfüllen.“
122. „Also deine Frage heißt: ob es richtig ist, dass alles, was neben dir vor sich geht - ob dies dasjenige ist, was du brauchst? Hast du das gefragt, ja?“
125. „Vielleicht so eine Frage: Soll ich denn noch mehr, als das, was ich schon habe, wünschen? Denn mein einziger Wunsch ist es, den Willen Gottes zu erfüllen. Aber es geht nicht alles so glatt mit dem Erfüllen.“
126. „Noch mal genauer: "Ist es richtig, dass ich mich bemühe, mehr zu tun, als ich kann?"“
127. „Danke, ich habe, im Grunde genommen, verstanden.“
128. „Ja, du sollst dich immer anstrengen, sicher. Eine andere Sache ist es, wenn du alles fehlerlos machen willst. Alles, was für einen Menschen erforderlich ist. Das ist natürlich keine ernsthafte Denkweise, es ist nicht möglich, dass so etwas gelingt.
129. Aber wenn ihr euch bemüht, jeden eurer neuen Schritte besser zu machen, so wird er euch unvermeidlich immer besser und besser gelingen. Un-be-dingt! Das heißt, hier ist die aufrichtige Anstrengung des Menschen selbst sehr wichtig.
130. Eine Sache ist es, dass er versucht, etwas als etwas Gutes für sich zu bestimmen (obwohl er diesen Begriff, was damit gemeint ist, nicht völlig verstehen kann), indem er für sich zumindest so eine bedingte Ausrichtung bestimmt, und sich bemüht, jeden seiner Schritte eben mit diesem seinen Verständnis über das Gute zu machen - so wird dies ihn unbedingt besser machen, er wird unbedingt alles Notwendige lernen, damit es ihm wirklich besser gelingt. Dies wird unvermeidlich so sein.
131. Wichtig ist, dass diese Aufgabe in eurem Inneren aufgestellt ist, selbst wenn ihr sie nicht völlig versteht. Wenn diese Aufgabe nicht gestellt wird, und ihr das erfüllt, was spontan kommt, chaotisch und derart, wie es euch in den Sinn kommt, dann ist es schwer zu lernen, dann wird der Weg der Entwicklung etwas schwieriger sein, er wird eher im Kreise verlaufen. Er wird euch nichtsdestoweniger sowieso lehren, aber er wird komplizierter sein.“
132. „Lehrer, wie stillt man ein Baby richtig? Kann man stillen und gleichzeitig einige Sachen erledigen? Oder soll man sich auf das Stillen konzentrieren und nichts anderes dabei tun?“
133. „Nun nein, man darf etwas anderes tun...“
134. „Und wenn man dabei im Gebetszustand ist, in gutem Zustand?...“
135. „Man kann etwas anderes dabei machen. Natürlich kann man nebenbei verschiedene Arbeiten machen.
136. Ansonsten bin Ich schon etwas erschrocken: Man hat Mich gefragt, wie man stillen soll. Nun, dachte Ich, man hat sich auf Mich irgendwie komisch eingestellt“, lachte der Lehrer auf.
137. „Meine Freundin fragt mich: "In wen bist du verliebt?" Ist es keine Verschlossenheit, wenn ich sage: "Ich will auf diese Frage nicht antworten?"“
138. „Normal, das ist so möglich. Denn es ist wirklich eine nicht ganz gesunde Frage. Das ist schon mehr so eine Neugier, wo man wiederum fragen kann: Und warum möchte man das erfahren? Um dieses Thema irgendwie zu besprechen? Oder wofür?
139. Also in Wirklichkeit ist dies eine nicht ganz vernünftige Frage. Sie kommt mehr aus leerer Neugier. Oder sogar... das andere werden wir nicht berühren. Bestenfalls ist dies eine leere Neugier, das werden wir in erster Linie darunter verstehen. Darum kann man hier durchaus sagen: "Ich möchte über dieses Thema nicht sprechen."“
140. „Lehrer, in meiner inneren Welt gibt es keine Ruhe in Bezug auf eine Frage. Als man uns in der Wohnstätte der Morgendämmerung von der Möglichkeit berichtet hat, dass wir für zwei Monate im Jahr in die "Welt" fahren dürfen, um zu verdienen, und es wurde eine Liste bezüglich des Notwendigsten vorgelesen (ein Fernseher... und noch vieles mehr), so entstand in meinem Inneren die Frage: Und wie werden wir Wurzeln schlagen?...“
141. „Eigentlich wäre es besser, so etwas nicht aufzuzählen.“
142. „Aber es wurde dort aufgezählt. Und meine innere Reaktion war so: Und wie kann man auf der Erde Wurzeln schlagen, wenn man dorthin fährt?“
143. „Rege dich nicht auf, Kolja.“
145. „Hauptsache, du handelst so, wie du es für richtig hältst. Das Problem wird derjenige haben, der das falsch einschätzt. Versucht nicht, den anderen Menschen zu begrenzen, wenn er nach etwas Überflüssigem greift.“
146. „Ist das nicht eine Prüfung?“
147. „Wenn er danach bewusst greift, so ist das seine Sache, ist das folglich sein Problem, er wird sich dabei stoßen. Ja, bitte! Es gefällt jemandem – nun... Wichtig ist, dass jeder von euch einschätzt, was er will, wie er die Wahrheit versteht, und so wählt ihr den Weg, den ihr persönlich für euch für richtig erachtet.
148. Nur darauf habt ihr zu schauen. Denn mit Zwang kann man hier nicht alle gleichermaßen rein, gleichermaßen geistig stark, gleichermaßen richtig im Denken machen.
149. Denn man muss alle praktisch dazu kommen lassen. Aber alle werden verschiedene Bemühungen dafür unternehmen. Unterschiedliche Fachkunde, unterschiedliche Geistesanstrengungen, irgendwelche Willensanstrengungen wird man anwenden, und darum wird es allen unterschiedlich gelingen. Das ist normal.
150. Habt keine Angst, dass gegebenenfalls irgendein Zerfall vor sich geht. Das ist kein Zerfall. Umgekehrt – durch verschiedene Bemühungen werdet ihr trotzdem in eine Richtung gehen.
151. Er kann etwas anschaffen, und am nächsten Tag versteht er: "Was bin ich für ein Dummkopf! Habe so viel Geld ausgegeben für so etwas Unnützes." Er wird es auch rausschmeißen. Ist auch gut! Das ist schon eine Erleuchtung, schon Weisheit. Das nächste Mal wird er diesen Fehler nicht mehr machen. Er hat das Geld ausgegeben – ist auch gut, hat es rausgeschmissen. Nicht schlimm. Aber durch einen praktischen Schritt wird er trotzdem weiser.
152. Und du weißt es schon, du hast nichts ausgegeben, du hast etwas bei weitem Praktischeres gemacht. Du gehst ruhig weiter. Und er wird auf dich schauen. Er hantiert mit dem Fernseher herum, aber er ist unruhig und springt... etwas stimmt nicht... und sieht, dass Kolja ruhig ist: "Bei mir läuft alles ohne Fernseher auch ausgezeichnet." Aber er wird unbedingt reifen an so einem Beispiel. Darum hat jeder von euch das Seine zu bestimmen.
153. Und so jedem vorzuschreiben, was er zu tun hat - das ist auch nicht ganz richtig. Zu sagen, dass euer Notdürftiges so oder so bemessen sein muss, ihr nur solche Lebensmittel kaufen dürft... Das wäre sozusagen auch möglich, aber das ist nicht ganz richtig.
154. Denn dann formen wir schon eher eine an Vernunft orientierte Gesellschaft: Wir legen irgendwelche Regeln fest, bestimmen irgendwelche Anhaltspunkte, und alle, während sie das erleben, bemühen sich, genau, vernünftig, exakt dem Punkt nach zu folgen. Aber nur mittels ihres Bewusstseins. Das wird eine nicht richtige Gesellschaft sein.
155. Also, es gibt beim Militär so einen Versuch, so etwas aufzubauen, und in irgendwelchen großen Organisationen gibt es auch noch solchen Versuch. Um chaotische Verschiebungen des Menschen im Inneren dieser Organisation zu minimieren, versucht man, dies alles so zu formen.
156. Aber das klappt sowieso nicht, so etwas auf normale Weise zu bilden, denn im Inneren der Gesellschaft beginnt jedermann irgendwohin zu rutschen, irgendwo zu versuchen, das Seine sowieso zu erreichen, zu suchen... Und das ist auf keine Weise mit so einem Rahmen zu bremsen.
157. Somit handelt es sich um eine rein an Vernunft orientierte Gesellschaft ohne die geistigen Besonderheiten, die euch eigen sind. Dort wäre es einfach, dort ist es wirklich so: Und wofür? Nicht logisch, nicht vernünftig, nicht rational – das wird nicht gemacht. Ist es vernünftig – wird es so gemacht, ist es nicht rational – wird es nicht gemacht. Also alles einfach, genau: Bam, bam, bam... man kehrt zurück – und alle gehen zusammen weiter. Euch wird das nicht gelingen.
158. Deshalb, in einem gewissen Maße legen wir sozusagen auch irgendwelche Begrenzungen fest. Aber dennoch soll das nicht bei allem so sein. Eine gewisse Freiheit muss gegeben werden, wo man auch zu lernen hat, einander zu vertrauen und untereinander irgendwelche Fehler machen zu lassen, zu denen ihr neigt und an welchen ihr gerade lernen werdet. Das ist sehr wichtig.
159. Und irgendwo gleichzeitig sich vielleicht auch gegenseitig berichtigen, in manchem vielleicht auch strenger, mittels irgendwelcher Äußerungen und Handlungen etwas stoppen – das ist auch möglich. Aber das ist eine gar nicht einfache Bedingung, sie ist so flexibel, beweglich. Und hier sind strenge, für alle einheitliche Regeln nicht einzuführen.
160. Derart gestaltet sich das Spezifische der Entwicklung des Menschen, das ist eben die Schwierigkeit, und die neigt noch zu großer chaotischer Äußerung. Und man hat dies alles anzunehmen und sich dem gegenüber wohlwollend zu verhalten: Nun gut, wenn er will – bitte.
161. Wenn es aber um eine Wahl geht... Ihr stellt eine Aufgabe – es muss gepflügt werden, und er sagt: "Und ich brauche jetzt dringend einen Fernseher." Hier sagt ihr: "Na, mein Lieber, hast du vielleicht auch noch eine Yacht nötig? Lass das mal, komm, geh pflügen." Also hier schon... wer weiß, was er nicht noch alles will. Ihr haltet ihn an und...
162. Und wenn sich euch eine Möglichkeit eröffnet, wegen irgendwelcher Alltagsbedürfnisse etwas Geld zu verdienen: um etwas im Haushalt zu verbessern... es mangelt an Schüsselchen, irgendwo reicht das Geschirr nicht aus, es mangelt an irgendwelchen Werkzeugen, an Geräten, um die Erde zu bearbeiten... Also, ihr habt nicht wenige solcher Probleme. Es verhält sich so, es soll euch erlaubt sein, dass ihr dafür Geld verdienen geht, wenn es nicht gelingt, dass ihr dies auf andere Weise bekommt.
163. Und wenn ein Mensch Geld verdienen geht, so kann er es vielleicht für notwendig erachten, einen Fernseher anzuschaffen... Ist auch gut, möge er ihn kaufen, wenn es so eine Möglichkeit gibt, dafür zu verdienen. Ist auch gut! Möge er mal bei ihm stehen... danach wird er im Schrank stehen, wo er Sachen aufbewahrt.“
164. „Lehrer, ich habe noch eine Frage: Kann es ganz normal heißen – "ein normales Verhältnis zur Askese"?“
165. „Wenn du dich bemühst, dich zu begrenzen...“
166. „Oder kann es irgendeine Übertreibung bei der Askese geben?“
167. „Dann muss man schon betrachten, was du aus deinem Leben zurückweisen willst. Das heißt, dies muss auch vernünftig sein. Möglichst viel zurückzuweisen, um sich zu erziehen - sich so zu verhalten, wäre auch nicht richtig.“
169. „Ja, denn wir sprechen über den Aufbau der Gesellschaft, wo die Kunst entwickelt werden muss, wo Kinder erzogen werden müssen, das Handwerk entwickelt werden muss. Und dann hat das mit Askese fast nichts zu tun.
170. Askese – bedeutet, dass man fast nichts hat. Ihr geht hin und bearbeitet das Land mit euren Händen... ihr nehmt einen Stein und hackt sofort etwas den Boden damit auf... also ihr grabt mit euren Händen, in Harmonie mit der Natur, zieht alles Überflüssige heraus, pflanzt an... Dann ist es noch irgendwie... ja, noch irgendwie normal von dieser Position aus.
171. Es geht aber nicht, es auf diese Weise zu betrachten, wenn Kinder geboren werden, erzogen werden, Schulen gebaut werden, Werkstätten errichtet werden.
172. Darum muss man das hier individuell betrachten. Wenn du in diesem Moment keinen Bedarf hast an etwas, das alle bestrebt sind zu kaufen - so soll man natürlich nicht darauf eingehen. Das heißt, du sollst nicht in diesem Flussbett mitschwimmen.
173. Wer weiß, was sie noch alle wollen! Und was! Was wird ihnen morgen noch einfallen? Also dem soll man nicht folgen. Da handelt es sich schon um so einen Herdentrieb, das muss sich nicht auf euch übertragen.
174. Ihr sollt individuell in eurer Entwicklung sein. Ihr sollt nicht irgendwelche Schritte nur deshalb machen, weil die anderen sie machen. Man soll denken und eigene Entscheidungen treffen können. Aber im Einklang mit dem, was um euch herum gemacht wird. Also, indem man abwägt, darüber nachdenkt und versucht, vernünftig zu handeln. Aber mit einem eigenen Schritt. Dann spricht das schon von einem vernünftigen Menschen. Ihr seid dann schon kein Herdentier mehr. So etwas soll man schon betrachten, natürlich.
175. Und viele bei uns lassen sich noch von diesem Herdeninstinkt mitreißen: "Die anderen besorgen sich das – a-a... Nun, er besorgt es sich doch, und bin ich etwa schlechter dran?" – und er besorgt es sich auch. Obwohl, es kann so kommen, dass einer fällt, und ein anderer sagt: "Bin ich etwa schlechter dran?" – und fällt ebenfalls.
176. Natürlich ist es schlimmer, wenn du schon... Der andere ging vielleicht absolut aufrichtig und ist gefallen, und es geschieht, dass du bewusst hinter ihm hergegangen bist und auch fällst. Dann hat es sich noch schlechter ereignet, du hast deine nicht guten Eigenschaften gezeigt“, lächelte der Lehrer.