Vadim 17

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  Kapitel 17  

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Darf sich eine Frau an einen verheiratet Mann wenden, wenn sie ihn liebt? ~ Mehrmals beten um eine Krankheit los zu werden? ~ Dem Kind gegenüber Strenge äußern, oder es trösten? ~ Alle Wünsche des Bittstellers zu befriedigen, bedeutet nicht unbedingt Güte. ~ Gefühle durch Willensanstrengungen aufrecht erhalten? ~ Die erstrangige Aufgabe eines Gläubigen: Zu schauen, wie man innerlich reagiert. ~ Wenn euch wer schlägt, bemüht euch, dem keine Aufmerksamkeit zu schenken.


1. Hier Fragmente des Treffens mit dem Lehrer nach der Verschmelzung am ersten Juli.

2.„Lehrer, mir gefällt schon lange ein verheirateter Mann. Und jetzt kann ich ohne ihn nicht weiter leben und will an seiner Seite sein. Aber ich habe ein Problem – ich habe keine gemeinsamen Momente mit seiner Frau. Wir wohnen an verschiedenen Enden des Dorfes. Darf ich mich an den Mann wenden, damit er uns vereinigt?“

3. „Nein, auf keinen Fall!“

4. „Lehrer, ist es richtig, das Gebet entsprechend dem Ratschlag der Nächsten sieben Mal hintereinander zu verrichten, wenn möglich öfter, um dem Körper zu helfen, eine Krankheit loszuwerden?“

5. „Das ist irgendeine gar nicht geistige Frage. Gar keine geistige! Damit was wäre? Für besseren Stuhlgang oder wofür?“

6. „Oder dann das Gebet verrichten, wenn ich zum Beispiel fühle, dass ich die Wahrheit verletzt habe, beleidigt bin, jemanden verurteilt habe? Mich überkommt Reue, und genau in dem Moment sich bemühen, das Gebet zu verrichten...“

7. „Und was für eine Frage willst du jetzt stellen?“

8. Oder einfach möglichst öfter beten?...“

9. „Nur, was hat das hier mit Krankheit zu tun?“

10. „Gerade eben wegen einer Krankheit heißt es, dass man öfter beten soll. Und mir scheint dies nicht ganz richtig zu sein.“

11. „Du kennst schon selber die Antwort und fragst trotzdem.“

12. „Mir scheint es eben dann richtig zu sein, wenn es bei mir das Gefühl gibt.“

13. „Aber wenn dir das richtig zu sein scheint, so hast du auch keine Frage.“

14. „So ist sie auch nicht nötig?“

15. „Wenn du zu zweifeln beginnst, dann kannst du schon eine normale Frage haben. Aber Ich sehe keinen Zweifel bei dir.“

16. „Nein.“

17. „Du bekundest einfach deine Unsicherheit.“

18. „Ja.“

19. „Das ist keine richtige Frage. Wenn man von Unsicherheit ausgeht, ist sie nicht richtig.“

20. „Aber man hat mir gesagt...“

21. „Seht, ihr lebt gemäß dem, was man euch gesagt hat. Aber woran denkt ihr denn selbst? Ich lehre euch doch, selbstständige Schritte zu tun, nicht aber die Schritte, die man euch aufzwingt, zu machen.

22. Versucht, an eure Kräfte zu glauben, versucht, es so zu tun, wie ihr es für richtig haltet! Denkt natürlich nach, denkt über dasjenige Thema nach, das euch vorgeschlagen wird. Aber dies ist ein Vorschlag, der zu durchdenken ist. Denkt nach! Wenn ihr da nichts sehen könnt von dem, was man euch vorschlägt - so macht es weiterhin so, wie ihr es seht.

23. Seid selbstsicherer. Das ist sehr wichtig. Sonst seid ihr voneinander so abhängig, dass bei euch sehr viel Durcheinander nur aufgrund dessen entsteht, was euch die anderen sagen.

24. Nun, dieser sehr primitive Unsinn rührt aus alten Zeiten. Und alle haben Angst, ihren eigenen Schritt zu machen und achten immer darauf, was ihnen die anderen sagen und was sie davon halten, und man wiederholt untereinander die Fehler.“

25. „Nun ja. Und es entsteht so eine Angst: „Oh je, wie sich gezeigt hat, habe ich heute nur beim Glockenläuten gebetet, und ich müsste öfter beten, vielleicht jede Stunde und noch mehr“.“

26. „Natürlich, das Gebet ist in seinem Wesen berufen, in euch ein normales geistiges Gleichgewicht zu unterstützen, euch zusätzlich zu stärken, euch nicht irgendwohin zur Seite, die ihr für euch schon als ungünstig bemerkt, abweichen zu lassen.

27. Also, wenn ihr abweicht, taucht ihr leicht ab in irgendwelche unnötige Sorgen, irgendeine unnötige Hektik, wo sich bei euch schon irgendwelche anormale Emotionen zu zeigen beginnen, und ihr bemüht euch, euch davon zurückzuhalten. Dann, während ihr öfter im Gebetszustand verweilt, bemüht ihr euch, das nötige Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, und auch der Verlauf der Gedanken, der Einschätzungen, den ihr im Innern herstellen könnt, wird schon mehr oder minder normal sein, weil ihr im Gleichgewicht seid.

28. Das Gebet ist berufen zu helfen. Und wenn jemand es für nötig befindet, dies jede Minute zu vollziehen – bitte. Wenn jemand meint, dass es ihm ein Mal reicht, nun, Ich kann nicht sagen, dass er es öfter tun sollte, denn so darf man es nicht sagen.

29. Alles wird durch euren Wunsch bestimmt, durch euer Begreifen diesbezüglich, durch euer Streben danach, also inwieweit ihr das für euch als wichtig erachtet. Darum kann hier keine Regel eingeführt werden. Nur der simpelste Hinweis, den Ich euch anfangs gegeben habe: zu versuchen, zumindest morgens vor Beginn des Tages und zum Ende des Tages...

30. Aber das ist ein simpler Hinweis, zugeschnitten auf den primitiven Zustand des Menschen, auf seinen Verstand. Im Weiteren soll alles durch euer Dürsten bestimmt werden, durch euer Streben, und man kann auf keine Weise von außen angeben, wie es sein sollte.

31. Denn es soll natürlich sein, es soll nicht künstlich aufgebaut werden, so, wie es nicht selten in der Armee geschieht, während man eine Illusion von Ordnung herstellt. Aber das ist eine falsche Ordnung, sie ist künstlich. Und es soll sich um eine natürliche Ordnung handeln, aufgrund der Reife eures inneren Wesens.“

32. „Ein Gefühlsbedürfnis?“

33. „Natürlich. Ihr sollt selber danach streben, streben, eure geistige Welt stetig zu erweitern, sie zu festigen, sie zu verbessern, sie zu veredeln. Es soll sich um ständiges Streben handeln.

34. Daher bestimmt eure Wahl die Gedanken, die Suche nach Einschätzung soll immer göttlich sein, das heißt, sie soll sich bei euch immer in einem Flussbett bewegen. Und hier handelt es sich schon um eure Bemühung – die Art und Weise, wie ihr euch bemühen werdet, das zu tun.

35. Ich kann einfach nur sagen, wobei Ich es mehrmals wiederhole, dass ihr auf einer eingefahrenen psychologischen Bahn seid, die nicht göttlich ist. Und wenn ihr das, was mit euch geschieht, dem Selbstlauf überlasst, so werdet ihr euch auf der Bahn bewegen, nur auf der Bahn. Aber sie wird euch nicht in die göttliche Richtung führen, sie ist bei euch in eine andere Richtung eingefahren.

36. Darum, um das bei sich selbst zu bekräftigen, braucht man ein ständiges, willentliches Bemühen. Viele Jahre muss man sich willentlich bemühen. Aber nicht so: sich ein bisschen bemühen, dann lässt man es; viele Sorgen, auch hier muss man etwas erledigen, auch da so viele Alltagsprobleme, Lebensprobleme, man muss Geld verdienen, man braucht etwas, man muss etwas kaufen... Und ihr werdet euch wieder in die vorherige Richtung bewegen, in die alte Richtung, in die ihr euch schon viele Jahrhunderte bewegt habt. Aber nicht in die notwendige Richtung. Dann sind wir nicht zusammen unterwegs.“

37. „Vielen Dank.“

38. „Mit mir zusammen im Haus wohnen mein Sohn, meine Schwiegertochter und mein Enkelsohn von eineinhalb Jährchen. Wenn der Enkelsohn bestraft wird und er, gekränkt über den, der ihn bestraft hat, zu mir läuft, damit ich ihn tröste, so sage ich sofort zu ihm: "Das hast du nicht richtig gemacht, das musst du so machen, höre auf die Mama." Und er bittet mich, dass ich ihn tröste, liebkose, zärtliche Worte zu ihm sage. Kann ich ihn in so einem Fall trösten, oder soll ich ihm nicht nachgeben, damit er darüber nachdenkt, ob er es richtig gemacht hat oder nicht? Oder sollte man in diesem Alter noch trösten?“

39. „So eine Regel gibt es da nicht. Man muss auch trösten, man muss es auch unterlassen. Das heißt, all das sollte man überhaupt im Laufe des ganzen Lebens flexibel anwenden.

40. Entsprechend sollte man auch bisweilen einen Erwachsenen, oder sogar auch einen betagten Erwachsenen, einfach trösten, einfach liebkosen, ihm einfach gute Worte sagen, ohne Belehrungen, ohne zu versuchen, Weisheiten von sich zu geben.

41. Denn nachdem sich der Mensch beruhigt hat, wird er selbst schnell zu dieser Weisheit finden. Es kann einfach eine Minute von Schwäche vorkommen. Das ist normal. Man sollte sich nicht gegenseitig drillen, erziehen.“

42. „Und diese, wie ich meine, übermäßigen Äußerungen von Liebe meinerseits... Angenommen, ich liebkose ihn, bezeichne ihn mit zärtlichen Worten, wir umarmen uns. Schadet das nicht? Oder habe ich meine Gefühle zurückzuhalten? Es handelt sich doch, so wie es stattfindet, um meine egoistische Liebe ihm gegenüber? Oder ist das normal?“

43. „Man kann das nicht eindeutig benennen, ob es normal ist, oder nicht. Man muss die Situation betrachten.

44. Es handelt sich also um so eine Eigenschaft von Aufmerksamkeit, Zärtlichkeit, Güte, zu der ihr fähig und berufen seid, sie euch gegenseitig zu äußern. Aber natürlich soll sie weise, angemessen geäußert werden. Denn irgendwo kann man mit Güte auch ein Bein stellen, wenn sie ungekonnt in Erscheinung tritt. So etwas kann auch durchaus möglich sein.

45. Darum sollt ihr in allem Weisheit bekunden. Nicht auf alle Bitten der Nächsten hin kann man das geben, um was sie bitten. Es kommt vor, dass sie um etwas bitten, was für sie unheilvoll wäre. Und wenn ihr es nicht gebt, könnten sie beleidigt sein. Hauptsache in diesem Fall ist, nicht daran zu denken, dass der Mensch gekränkt sein könnte und dass, um die Kränkung zu vermeiden, man unbedingt das geben soll, um was er bittet. In diesem Fall schon soll man nicht darauf schauen und soll das für diesen Menschen eurer Ansicht nach Unheilvolle nicht geben.

46. Das heißt, viele Ereignisse soll man eben weise nutzen, weise an diesen Ereignissen teilnehmen. Also habt ihr dies auch zu lernen.

47. Ihr stellt bisweilen eine Frage, die unmöglich eindeutig beantwortet werden kann. Lernt, versucht es.

48. Erschreckt nicht, man soll keine Angst haben, das Gute zu tun. Seid vorsichtiger, wenn es nötig ist, Strenge zu zeigen. Also hier wägt mehrmals ab, inwiefern das angemessen ist, was ihr als Strenge vollziehen wollt, als Verbot, als etwas, was mit Strafe verbunden ist. Denn hier ist es nötig, oftmals darüber nachzudenken. Vollzieht getrost das Gute.

49. Und weiter wägt ab, schaut auf die Früchte, analysiert sie. Wenn ihr seht, dass das, was ihr offen, aufrichtig und reichlich gegeben habt, beim nächsten Mal irgendwelche ungünstigen Effekte, irgendwelche anormale Früchte zeitigt, so seid daraufhin vorsichtiger, seid aufmerksam bezüglich dessen, was ihr gebt. Vielleicht ist es schon nötig, weniger zu geben, eure Aufmerksamkeit und eure Güte auf eine etwas andere Art zu bekunden, schon unter Berücksichtigung dieser gefährlichen Abweichungen, die bei dem einen oder anderen Menschen beim Erleben eurer Güte möglich sind.

50.Das heißt, Güte soll weise gehandhabt werden. Alle Wünsche des Bittstellers zu befriedigen, bedeutet nicht unbedingt Güte. Das ist der Güte ähnlich, aber eindeutig kann man nicht sagen, dass dies Güte sei, weil es da viele verschiedene Varianten gibt.

51. Menschen können um Verschiedenes bitten und können dabei Fehler machen, indem sie meinen, dass sie etwas brauchen, dass dasjenige für sie zum Wohle sei. Sie können sich diesbezüglich sehr leicht täuschen. Sehr leicht! Darum, dasjenige darf man nicht geben, wie gekränkt sie danach auch sein mögen demjenigen gegenüber, der diese Bitte abgeschlagen hat. Aber hier muss das schon gelernt werden.

52. Und wenn es schon notwendig ist, diese Frage zu berühren, dann muss eine detaillierte Herangehensweise an so eine Frage stattfinden, die Frage soll konkreter gestellt werden. Nämlich schon von Positionen her, wo ihr, indem ihr diese Frage stellt, noch irgendwelche sehr wichtige Details nennen könnt, welche ihr in diesem Moment bemerkt. Und dann ist diese Frage schon angebracht, dann kann Ich sie beantworten.

53. Sie soll keinen allgemeinen Charakter haben, der eigentlich darauf hinausläuft, als würde das Bekunden von Liebkosung, von Güte, einem Menschen gegenüber normal sein. Das ist in gewissem Maße eine allgemeine Frage.

54. Schon in dem Fall, wo ihr anfangt, etwas zu bemerken, was euch verwirrt, kann man eine Frage stellen. Und dann nennt ihr eben diesen euch bedrängenden Umstand: "Ist es denn möglich, gerade diese Aufmerksamkeit zu bekunden, gerade diese Handlung zu vollziehen, wenn ich diesen Moment als bedrängend ansehe, es mir scheint, dass hier etwas nicht stimmt?..." Und ihr beginnt schon, diese Nuancen genauer zu bezeichnen. Ja, dann kann schon eine zusätzliche Antwort eindeutig sein: dass es in diesem Moment möglich ist, oder dass es nicht richtig ist, so zu handeln.

55. Aber dieser Umstand – ist der, den ihr selber bezeichnen sollt. Indem ihr das Gute tut, habt ihr aufmerksam zu sein, gleich auch zu analysieren, ob es dem Nächsten auch wirklich hilft. Oder das, was ihr für das Gute haltet, in diesem Moment in Bezug auf diesen Menschen unangebracht ist, und dass hier irgendeine andere Herangehensweise nötig ist, aber was für eine – das wisst ihr noch nicht. Hier kann schon eine neue Frage entstehen.“

56. „Lehrer, während des Umgangs mit der Natur, mit der Mutter-Erde, entstand ein Gefühl von fröhlicher Dankbarkeit der Erde gegenüber. Wenn dieses Gefühl verschwindet (es ist nicht ständig da), wird es dann richtig sein, dieses Gefühl von Dankbarkeit während der Arbeit, während des Austausches, mittels Willensanstrengung zu verlängern?“

57. „Nun, durch Willensanstrengung das Gefühl zurückzugewinnen, ist schwer. Ein Gefühl durch Willensanstrengung zu bewahren, ist sehr schwer. Und es kann sogar auch angebracht sein zu sagen, dass es unmöglich ist.

58. Je nachdem, wie sich eure innere Welt öffnet, werden eure Gefühle stabiler. Wenn sie harmonisch sind, beginnen sie sich immer voller in eurem Innern zu manifestieren. Aber das hängt davon ab, wie ihr euch selbst öffnet.

59. Deshalb, wenn eure Psyche in irgendeinem Moment fähig ist, bildhaft ausgedrückt, sich zu verschließen und nicht zulässt, dass sich irgendwelche Gefühle äußern, durch Willensanstrengung sie in diesem Moment zu öffnen, ist nicht so einfach. Das führt zu einer großen Schwierigkeit, denn das Zumachen ereignet sich aufgrund irgendwelcher euch eigenen Besonderheiten, die vormals im Laufe langer Zeit erworben wurden. Und um so etwas zu öffnen, reicht irgendeine Willensanstrengung nicht aus, um irgendwelche Türflügel sofort beiseite zu schieben, gewisse Türflügel in eurem Innern.

60. Dieses Auseinanderschieben wird im Laufe von vielen Tagen vonstatten gehen, wo das Lösen von ganz anderen Aufgaben, die damit verbunden sind, dasjenige, was in diesem Moment offensichtlich verschlossen wurde, allmählich dazu bringt, dass sich eure innere Welt überhaupt öffnen wird. Denn hier muss man seine ganze innere Welt, die Gefühlswelt, ändern, nicht aber irgendeine separate Facette von ihr, indem man nur mit dieser einen Facette arbeitet.

61. Darum, wenn ihr euch im Leben bewegt, so trefft ihr jeden Tag verschiedene Aufgaben an, die aber alle ihrerseits diese positive, notwendige Rolle beim Öffnen eurer inneren Welt spielen.“

62. „Lehrer, sag bitte, ist der Ausdruck "lasst uns" (russ.: dawei) (lasst uns die Erde umgraben gehen, lasst uns setzen und essen), ist das normal oder nicht normal?“

63. „Nun, so sagt man es – nun ja, ist auch in Ordnung. Und was verwirrt dich? Was ist daran auszusetzen?“

64. „Dass das dem vielleicht irgendein Kommando verleiht...“

65. „Vielleicht?“

66. „Wenn ich es selbst zeitlich nicht schaffe, und hier treibt man mich sozusagen an.“

67. „Nun, schenke dem doch keine Aufmerksamkeit! Selbst wenn er gesagt hätte: "Na los, setz dich schnell hin und iss!" – was soll's. Möchtest du essen – so iss, wenn nicht – so iss nicht.“

68. „Und im Alten Testament wird etwas nicht Gutes über dieses "lasst uns, gib uns" gesagt.“

69. „Ist auch gut. Ich lehre euch, auf das sich Ereignende richtig zu reagieren, nicht aber, dass ihr irgendwie einschätzt, wie irgendwer handelt. Damit was wäre? Nun, ist doch nicht wichtig, wie sie handeln. Sie handeln alle so, wie sie können, und es ist nicht eure Sorge, darüber zu urteilen. Eure Aufgabe ist es zu schauen, wie ihr auf all dies reagiert. Das ist die Aufgabe eines Gläubigen, die erstrangige Aufgabe!

70. Worüber brennt ihr nämlich? Weil ihr das falsch einschätzt, was neben euch vor sich geht.

71. Und ihr fragt euch voreilig, wer wie handelt. Was macht es für einen Unterschied, wie sie handeln? Sie handeln so, wie es gerade für euch notwendig ist. Wenn sie euch ausgeschimpft haben, so war es für sie nötig, euch auszuschimpfen, um euch mit dem Finger darauf hinzuweisen, euch mit der Nase auf die Stelle zu stoßen, wo ihr eure Schwächen habt, die in euch zu heilen ihr euch sozusagen entschieden habt, indem ihr das, was ihr als den Heiligen Glauben und als Vertrauen bezeichnet, annehmt.

72. Indem ihr diesen Weg betreten habt, habt ihr dadurch die Bereitschaft erklärt, euch zu ändern. So ändert euch auch! Der Heilige Weg ist nicht für die berufen, die ihre Nächsten zu ändern wünschen. Ohne den heiligen Weg wird sich jedes Mal um so etwas bemüht. Ohne zu versuchen, irgendeine besondere Rolle zu beanspruchen, bemühen sich alle immer wieder, einander zu ändern, einander etwas eigenes aufzuzwingen.

73. Das ist ein ausschließlich egoistischer Weg – den anderen das, was ihr selbst als richtig anseht, aufzuzwingen. Und der geistige Weg ist mit keinerlei Zwang verbunden. Ihr packt an und ändert euch selbst.

74. Ihr könnt nur euch selbst zu etwas zwingen. Eine Willensanstrengung (wenn ihr euch selbst nötigt, etwas zu tun) – ist ein auf sich selbst bezogenes, eigenartiges Aufzwingen von etwas, was ihr normalerweise nicht gewohnt seid zu tun. Aber das ist normal, zwingt euch, das ist angebracht.

75. Aber nicht euren Nächsten. Was immer sie auch sagen werden, ob jemand auf dich zukommt und sagt: "Oh je, du Vogelscheuche! Setz dich schnell und iss!" – das soll dich nicht beunruhigen. Nun, Vogelscheuche, eben Vogelscheuche. Na und? Möchtest du essen – geh hin, iss.

76. Dir wurde vorgeschlagen zu essen. Welchen Unterschied macht es, in welcher Form man es vorgeschlagen hat? Schau, wie schön es ist: Man hat dir Essen angeboten, du hast eine Möglichkeit zu essen, und du möchtest das! So geh und iss! Schau, wie gut das ist! Und bedanke dich. Und in welcher Form man es dir vorgeschlagen hat, das soll dich nicht berühren.

77. Natürlich, es kann ein bisschen wehtun, wenn der Mensch dich wirklich zornig irgendwie eigens schlagen wollte. Das ist schmerzhaft. In jedem Fall, dass ihr euch auch bemühen werdet, es richtig aufzunehmen (Ich meine in diesem Fall nicht einen Meditationszustand).

78. Also, natürlich, wenn man euch schlagen will, so wird euch der Schlag weh tun. Aber ihr müsst euch bemühen, das schneller auszugleichen und dem keine Aufmerksamkeit zu schenken, obwohl es schmerzhaft ist.

79. Aber wenn ihr euch dem gegenüber richtig verhaltet, so werdet ihr durch eine beliebige grobe Aussage eines Menschen, bei der es der Mensch selbst nicht angestrebt hat, euch zu schlagen, keinen Schmerz verspüren. Wie grob die Aussage auch ausfallen würde, ihr solltet keinen Schmerz verspüren, weil er nicht beabsichtigt hatte, das zu tun.

80. Den Schmerz könnt ihr erleben, wenn ihr euch an die Aussage klammert und zu meinen beginnt, dass man euch geschlagen habe. Gerade dann könnt ihr für euch zusätzliche Schmerzempfindungen künstlich schaffen. Aber das erschafft ihr dann schon selbst zusätzlich zu dem, was euer Nächster versuchte auszudrücken. Und das meinte er auch nicht und hat sich auch nicht bemüht, das zu tun.

81. Also, das Wichtigste ist, sich nicht in all diese zahlreichen Schwierigkeiten der Allerklügsten zu vertiefen, seid einfacher. Nicht wichtig, wie man euch etwas anbietet, schaut, was man euch gerade anbietet. Wenn ihr dies als das für euch Notwendige haltet – nehmt es an, wenn es nicht nötig ist – so nehmt es nicht an. Nehmt gerade so einfach die Realität wahr.

82. Und die anderen... sie haben eine sehr umfangreiche Mannigfaltigkeit auf ihrem sehr langen Lebensweg auf dieser Erde erworben, und daher gibt es dort vieles, und all dem gegenüber Aufmerksamkeit widmen, wird der Kopf nicht aushalten, wenn man an all dem soviel auszusetzen hat.

83. Es lieber nicht beachten. Nehmt einfach diese große Vielfalt als eine Gegebenheit an, wo es in Überfülle all das gibt, auch das, was ihr nicht gekannt habt, vielleicht wolltet ihr dies auch nicht sehen, aber es gibt das alles. Nun, so möge es auch sein.“


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