Wenn man Zeuge wird, dass sich zwischen einem verheirateten Mann und einer ledigen Frau etwas entwickelt... ~ Wenn ihr Nicht-Richtiges nicht genau bestimmen könnt, so denkt euch Positives hinzu. ~ Ihr müsst aneinander glauben. ~ Vom Mädchen, das einseitig liebt ~ Egal, was früher war, wenn ihr helfen könnt, könnt ihr Hilfe anbieten. ~ Bei Treffen persönliche Probleme besprechen oder besser die Schrift studieren? ~ Wenn die Freundin die Freundschaft aufgibt ~ Eine eigene Ortsgruppe der Bergfamilie in Petropawlowka? ~ Rüttelt einander auf! ~ Lasst den Menschen jene Pfade gehen, die ihm eigen sind.
1. Vom Treffen mit dem Lehrer nach der Verschmelzung am zweiundzwanzigsten Juli.
2. „Lehrer, verletze ich die Wahrheit, wenn ich, beim Wissen darum, dass sich zwischen einem verheirateten Mann und einer nicht verheirateten Frau eine Beziehung entwickelt, abwarte, bis diese Menschen sich entschließen, selbst die Ehefrau darüber zu unterrichten, was zwischen ihnen vorgeht?“
3. „Du siehst als Außenstehende (wrtl. von der Seite aus), dass sich zwischen der nicht verheirateten Frau und dem verheirateten Mann eine Beziehung entwickelt?“
4. „Ja, und ich hatte den Eindruck, dass sie diese Situation selber lösen sollten, selber irgendwelche Anstrengungen unternehmen sollten. Trage ich dafür irgendwie Verantwortung, wenn ich es ihnen überlasse, diese Frage selbst zu lösen?“
5. „Ich verstehe dein Verhalten ihnen gegenüber nicht.“
6. „Ich beschränke mich insofern darauf, dass ich der einen Seite und der anderen Hinweise gebe.“
7. „Das Problem wird nicht benannt.“
8. „Ich sehe, dass seitens der Frau irgendwelche Äußerungen über ein schwesterlich – brüderliches Maß hinausgehen.“
9. „Das ist ebenfalls kein Problem. Siehst du das – was soll's. Hier müssen die Handlungen selbst genauer bezeichnet werden, es soll Mir aber nicht die Einschätzung mitgeteilt werden, dass du etwas Nicht-Richtiges siehst. Du musst, wenn du Mich schon fragen willst, die Handlung selbst nennen, ohne die eigene Einschätzung von nicht Richtigem zu erwähnen.“
10. „Zum Beispiel weiß ich, dass diese nicht verheiratete Frau Verliebtheitsgefühle hat, und sie gibt dem Mann Massage, ohne dies mit der Ehefrau abgestimmt zu haben. Solch eine Situation. Was habe ich hier zu tun? Einfach warten, bis sie selbst diese Situation für sich begreift, irgendwelche Schlussfolgerungen daraus zieht?“
11. „Die Situation ist nicht klar. Sie kann jetzt aufgrund unterschiedlicher Mitteilungen von Details sowohl als normal, als auch als anormal bezeichnet werden. Deshalb also sehe Ich schon in der Entwicklung dieser Situation, die du benennst, dass durchaus eine normale Schattierung der Entwicklung vorliegen kann, und dass es ebenso eine anormale Schattierung der Entwicklung sein kann, abhängig von verschiedenen zusätzlichen Details, die mit dieser Situation verbunden sind.
12. Man kann das überhaupt ad absurdum führen: Der Mann geht die Straße entlang, sie läuft auf ihn zu und gibt ihm Massage, und du siehst das. Das bezieht sich auch darauf, was du erwähnt hast. Dazu kann man diese Situation gedanklich so entwickeln: Sofort hat sie ihm sein Hemd ausgezogen und massiert ihm schnell den Rücken, und er geht zur Arbeit.
13. Siehst du, abhängig von zusätzlichen Details kann ein unterschiedliches Bild gezeichnet werden.
14. Oder der Mann ist gegangen und ist hingefallen, hat sich am Rücken weh getan. Die Frau lief auf ihn zu, um ihn zu massieren. Und was hast du gesehen? Dass sie ihm gegenüber irgendein anormales Verhalten an den Tag gelegt hat? Aber er musste gerade jetzt gerettet werden. Hier geht es schon nicht um das Verhältnis. Wie auch immer sie zueinander stehen – er muss gerettet werden. Siehst du, schon zeichnet sich eine ganz normale Situation ab.
15. Und so, abhängig von Details, können unterschiedliche Bilder entstehen. Hier reicht es nicht aus zu erwähnen, dass die Frau Massage gibt.“
16. „Also kann ich diesem Menschen vertrauen, dass er alle Anstrengungen unternehmen wird, um möglichst volle...“
17. „Wenn du keine Möglichkeit hast, die Situation richtig einzuschätzen, bleibt dir nichts anderes übrig, als zu vertrauen, natürlich.
18. Also in jedem Fall (das ist schon ein Hinweis für alle), wenn ihr das Nicht-Richtige irgendwelcher Umstände nicht genau bestimmen könnt, so verhaltet euch dem gegenüber mit Vertrauen, denkt euch Positives hinzu.
19. Denn ihr habt das kranke Bedürfnis, sofort das Negative ohne irgendwelches Nachfragen hinzuzudenken. Und ihr quält euch danach mit dieser negativen Einschätzung, lauft herum, seid unruhig, redet mit anderen darüber, teilt euch mit. Das vermehrt sich wie ein Lauffeuer bei trockenem Wetter. Denn die Neigung ist sehr groß, sofort an das Negative ohne irgendwelche Präzisierungen zu glauben, sogar ohne die Tatsachen erfahren zu haben, wobei man nur Vermutungen gehört hat.
20. Um diese nicht normale Neigung zu besiegen – innerlich hinzuzudenken, soll man sich natürlich immer beeilen, Positives dazu zu denken. Gibt es keine Tatsachen, die euch diese Situation erläutern können - dann bleibt einfach bei eurer eigenen positiven Vermutung, zu der ihr überhaupt fähig seid, die ihr imstande seid, in eurem Bewusstsein zu erschaffen.
21. Bleibt mit Vertrauen nur dabei. Das reicht aus, solange keine neuen Tatsachen zutage treten. Aber die Tatsachen müssen euch schon erreichen, wenn ihr das wirklich braucht.
22. Sonst bleibt nur bei der positiven Vermutung. Ihr werdet dadurch gute Laune haben. Das ist sehr gesund! Und so ist es euch leichter, eure Liebe und Güte zu schenken, wenn ihr in so guter Stimmung seid.
23. Und wenn ihr beunruhigt seid, fällt es euch schwer, euch gegenseitig zu helfen. Denn ihr lauft finster dreinschauend herum. Stößt man euch an, fangt ihr sofort an, eure Erzählungen gegenseitig auszuschütten darüber, was ihr irgendwo gehört habt. Und all das ist so etwas Ungutes. Und ihr steckt euch gegenseitig mit diesen Viren an. Gerade hier breitet sich auch die gefährliche "Erkältung" aus! Nämliche die "Vogel-Grippe". Die "Hühner" laufen herum und verbreiten das“, lachte der Lehrer auf.
24. „Darum glaubt immer an das Gute.
25. Ihr könnt natürlich viele verschiedene Komplikationen schaffen. Zumal sie leicht innerhalb der zwischenmenschlichen Beziehungen entstehen.
26. Eine Sache ist es, wenn dies eure persönlichen Schritte betrifft. Eine andere Sache ist es, wenn ihr mit einem anderen Menschen intensiv in Berührung kommt. Er hat andere Parameter seiner Entwicklung. Und gemeinsam könnt ihr sie schon nicht immer harmonisch aufbauen.
27. Denn wenn einer eine größere Möglichkeit hat, Harmonie aufzubauen, so hat der andere vielleicht dazu eine geringere. Und durch ihn kann alles zerbrechen, durch seine Unternehmungen. Aber er macht das doch aufrichtig, er bemüht sich, es so zu machen, wie er es kann.
28. Und deshalb, wenn etwas nicht auf harmonische Weise gelungen ist, so bedeutet das nicht, dass sich alles schlecht vollzogen hat. Alles ist normal verlaufen. So, wie die Menschen es konnten, so haben sie es auch getan. Und von vielem und nochmals vielem hängt so eine Situation ab. Darum darf man etwas niemals vorschnell sofort negativ einschätzen.
29. Verhaltet euch dem gegenüber mit Verständnis: Nun, es hat sich halt folglich so ergeben. Ihr habt euch bemüht – es ist nicht gelungen. Macht nichts, das wird schon klappen, es bleibt ihnen nichts anderes übrig. Sowieso wird es den sich Nahestehenden so gelingen, wie es notwendigerweise zu machen ist. Jetzt wird es sie die ganze Natur lehren. Die ganze Welt des Seins wird es ihnen beibringen. Alles wird sie lehren. So lasst die Zeit das Ihre tun.
30. Sonst macht ihr euch sofort vorschnell auf negative Weise viele Sorgen bei diesem Thema, und um so mehr vermutet ihr Ungutes. Und hier fangt ihr sofort zwangsläufig an, ein Bein zu stellen. Während ihr dasjenige nicht wünscht, stellt ihr einfach ein Bein. Ihr heizt die Situation irgendwie auf ungute Weise auf.
31. Dann laufen Gerüchte um, kehren zu demselben Menschen zurück. Er wird noch trauriger. Er hat schon irgendwo einen Fehler begangen, hat selbst verstanden: Ja, er hat einen Fehler gemacht. Das ist gut für ihn – er hat seinen Fehler verstanden. Aber wenn er anfängt zu erfahren, wie die anderen darüber reden, so schwächt ihn das sehr.
32. Ihr müsst aneinander glauben. Eben dadurch müsst ihr euch auch von der Welt der Nichtstrebenden unterscheiden, die Gesetze der Liebe erkennen. Dadurch, dass bei euch ein irgendwie vermehrtes Bedürfnis nach freundschaftlichen Verhältnissen zueinander in Erscheinung kommen soll, wo ihr einander unterstützen, aneinander glauben sollt. Wenn schon etwas vermutet wird, dann nur das Positive, was ein gutes Lächeln hervorrufen kann. Also ist der Glaube aneinander sehr wichtig.
33. Selbst wenn ein Mensch bestrebt ist, Ungutes zu tun, ist es wichtig, an sein Gutes zu glauben. Und er wird das fühlen. Mit der Zeit wird er es als etwas sehr Kostbares fühlen, dass man an ihn glaubt.
34. Der Mensch ist nämlich in der Regel bestrebt, Ungutes zu tun nur deshalb, weil er den ihn Umgebenden nicht glaubt. Er glaubt nicht, dass man an ihn glauben kann, und bei ihm entstehen solch anormale Antriebe seines Egoismus wie ein eigenartiger Protest. So ein dummer Protest. Darum soll man glauben.“
35. „Noch eine Frage eines Mädchens von vierzehn Jahren. Sie bat darum, sie zu stellen. Die Situation ist so, dass sie und ein Junge als ein Pärchen gegenseitige Gefühle hatten. Sie waren eineinhalb Jahre befreundet. Und vor einigen Wochen sagte er, dass bei ihm die Gefühle weggegangen sind. Bei ihr ist das Gefühl noch vorhanden. Und sie kommt selbst aus irgendeinem natürlichen Impuls heraus einseitig auf ihn zu, um Umgang mit ihm zu haben. Sie gibt ihm Massage, da er nichts dagegen hat. Mag ihm etwas zu essen bringen. Man hat ihr aber den Hinweis gegeben, dass, wenn sie so handelt (derart, dass sie einseitig das alles veranstaltet, er aber keine Gefühle in Richtung Paarbeziehung hat), sie es ihm gestattet, sie nicht zu achten. Sie war verblüfft und bat nachzufragen, muss sie...“
36. „Das ist eine gute Handlung ihrerseits, eine gute. Missachtung kann nur bei einem nicht normal denkenden Menschen hervorgerufen werden, also bei einem, der unfähig ist, die Situation richtig einzuschätzen. Eine normale Handlung. Es gibt nicht irgendwie Überflüssiges. Zumindest dabei, was du erwähnt hast.
37. Wenn ein Mensch liebt, oder sich gut zu jemandem verhält, wie soll er dann diese Liebe offenbaren? Dann schauen wir schon im Weiteren, wie sie geäußert werden kann. Aber man kann nicht sagen, dass sie in diesem Fall nicht in Erscheinung gebracht werden soll, wenn sozusagen auf der Gegenseite keine ähnlichen Gefühle vorhanden sind. Natürlich kann man sie zeigen.
38. Aber wie? Hier muss man schon schauen. Vielleicht gibt es bei irgendwelchen Handlungen eine Übertreibung, vielleicht ist etwas überflüssig. Aber verbieten, sie zu äußern, darf man nicht. Es ist normal – sie zu zeigen.“
39. „Als wir diese Frage besprochen haben, haben wir sie darauf hingewiesen, sich besser bei ihm zu versichern: Und darf ich dies jetzt tun?“
40. „Fragen kann man natürlich, ob er nichts dagegen hat. Natürlich ist das besser. Denn wenn man das nicht fragt, sich nicht dafür interessiert, dann kann leicht eine Art des Aufzwingens entstehen. Und das ist unangenehm. Und je mehr es zum Aufzwingen kommt, umso eine größere Abneigung wird das als Antwort hervorrufen. Hier schon setzt Übertreibung ein.
41. Darum soll man hier sensibler sein und verstehen, dass, wenn der Mensch seinerseits das Gefühl nicht beantworten kann, dann ist eine große Einschränkung an Möglichkeiten, Gefühle zu äußern, vorhanden. Nun, nicht schlimm. Wenn wenigstens etwas vorhanden ist – das ist schon erfreulich!“
42. „Noch eine kleine Frage. Die Situation ist so: Ein Mann hatte mit seiner Ehefrau Streit, wir sitzen an einem Tisch, und der Mann bittet mich, ihm etwas zu reichen. Bei der Frau entsteht etwas später auch der Impuls, ihm dasjenige zu reichen. War es richtig, es ihr zu überlassen, damit sie es tun konnte?“
43. „Natürlich, sich nicht selbst vordrängen. Richtig, man muss es ihr überlassen.
44. Sag' nicht vor der Fragestellung: "eine kleine Frage". Das ist eine unnötige Bescheidenheit. Sie ähnelt eher einer anormalen Bescheidenheit. Es gibt keine kleinen Fragen. Man kann mit zwei Worten natürlich fragen: "Was ist die Wahrheit?" – so ganz kurz. Eine kleine Frage!“ – lächelte der Lehrer. –
45. „Oder was stellt man sich unter einer kleinen Frage vor? Irgendeine umfangreiche Schilderung, die mit "ja" oder "nein" zu beantworten ist? Oder einfach, wenn ihr zwei Worte sagt, auf die hin dann eine ganze Vorlesung abzuhalten ist? Oder ihr wisst schon genau, dass ihr wenig erfragt und eine kleine Antwort erforderlich ist?
46. Tatsächlich ist diese Ergänzung nicht nötig. Ihr seid sozusagen bescheiden, doch das ist nicht richtig. Gibt es eine Frage – so fragt. Hier stellen wir doch nicht auf solche Art die Aufgabe: Wir äußern nur lange oder nur kurze Fragen, nur kleine Fragen; am heutigen Tag schaffen wir es nicht, lasst uns nur sehr kleine Fragen stellen“, lächelte der Lehrer.
47. „Vor einigen Jahren war ich als Helfende in der Familie eines Bruders (bei ihm und seiner Mutter). Bei mir entwickelten sich ihm gegenüber Gefühle. Aber als ich bemerkte, dass der Bruder sein Verhalten mir gegenüber allmählich änderte (etwas mehr als unser anfängliches freundschaftliches), verließ ich sein Haus in einer für ihn schwierigen Zeit: Seine Mutter erkrankte schwer. Einige Jahre vergingen. Jetzt braucht er wieder eine Helferin. Ist es richtig, wenn ich ihm meine Hilfe anbiete und selber in sein Haus komme?“
49. „Mich macht es verlegen, dass ich ihn in einer schwierigen Minute im Stich gelassen habe, jetzt aber komme ich aufgrund meines Wunsches.“
50. „Und hat man dich um Hilfe gebeten?“
51. „Nein, direkt hat er nicht gerade an mich die Bitte um Hilfe gerichtet, obwohl er weiß, dass ich als Hilfe zu ihm kommen kann.“
52. „Wenn du helfen möchtest, dann nachzufragen, ob der Mensch nichts gegen deine Hilfe hat – das wird normal sein. Und wie weiter handeln, das hängt von dem geäußerten Wunsch oder der Absage (wrtl. Nicht-Wunsch) dieses Menschen ab.“
53. „Also, fragen darf ich ihn?“
54. „Ja, unwichtig, wie sich vormals die Umstände im gegebenen Fall gestaltet haben, wie schlecht sie auch immer waren. Wenn aber dieser Mensch Hilfe braucht, und ihr seht die Möglichkeit, dass ihr sie leisten könnt, erst recht, wenn ihr sie leisten möchtet, so könnt ihr das vorschlagen.
55. In diesem Fall ist es normal, seine Hilfe anzubieten. Und im Weiteren möge der Mensch entscheiden, ob er euch vertrauen möchte oder nicht. Das soll schon seine Entscheidung sein. Ihr aber könnt mutig die Hilfe anbieten.“
56. „Lehrer! Im Moskauer Zentrum finden die Treffen einmal wöchentlich statt. Der Raum wird für vier Stunden gemietet. Die Minderheit der Nachfolger (wrtl. Leute) meint, dass wir hauptsächlich zusammenkommen, um die Schrift zu besprechen und um zu einem einigenden Verständnis zu kommen. Die Mehrheit meint, dass wir wegen der Kommunikation zusammenkommen und um Freude miteinander zu teilen, um einander kennenzulernen. So sehr wir uns auch bemühen, bis jetzt irgendeinen Kompromiss zu finden, ergibt sich bei uns bei jedem Treffen eine gewisse Konfrontation. Erkläre bitte: Soll man jenen nachgeben, die meinen, dass wir den größeren Teil der Zeit kommunizieren sollten, nicht aber mittels der Schrift zusammen lernen, oder sollte man wenigstens diese heilige Zeit nicht verkürzen?“
57. „Wenn ihr euch trefft, wird dann jedes Mal vorausgesetzt, dass ihr euch den größten Teil der Zeit kennenlernen müsst? Es kommen doch meistens dieselben, ihr aber lernt euch gegenseitig kennen?“
58. „Die Menschen treffen sich einmal die Woche und alle zwei Wochen, deshalb möchte man sich die markanten Ereignisse anvertrauen, sie besprechen...“
59. „...wie es im Sommerhäuschen (wrtl. Datscha) war, wie man den Kinofilm gefunden hat?...“
60. „Nein, irgendwelche eigenen Probleme...“
61. „Also doch Probleme? Aber Probleme – das ist auch normal. Wenn ihr euch helft, sie zu lösen gemäß dem, was ihr erlernt, euch anzueignen versucht – das ist schon zulässig. Das ist abhängig von dem, worüber ihr sprecht.
62. Mir fällt es jetzt schwer einzuschätzen, inwiefern eure Besprechung hohl ist. Oder ist sie wirklich wichtig, denn wenn ihr euren Nächsten psychologisch unterstützt habt, dann gibt es bei ihm keine Tragödie, und er kann im Weiteren schon seine Lebensaufgaben mit eurer Hilfe, eurer Unterstützung beflügelt lösen gehen.
63. Denn hier handelt es sich auch um das einigende Verständnis: Wenn er ein Problem hat, und ihr betrachtet gemäß der Schrift, wie der Gläubige in diesem Fall besser handeln würde, wie man ihn besser unterstützen kann. Das kann auch als normal angesehen werden.“
64. „Und wenn zu beobachten ist, dass das Problemfeld deshalb gleich bleibt, weil wir diese Zeit nicht dem Wichtigsten widmen, und sich die Menschen daher nicht weiterentwickeln?“
65. „Dann soll es folglich anders sein. Ich kann jetzt nicht eine einzige Empfehlung geben, wie ihr euch verhalten sollt, denn eure Situation kann jedes Mal anders sein. Ihr dürft nicht 'trocken' irgendeine einzige Regel anwenden. Abhängig von der Situation soll man im Weiteren handeln.“
66. „Und wir haben eine Entscheidung getroffen: eineinhalb Stunden – für die heilige Zeit des Studierens der Schrift. Kann das unverändert bleiben?“
67. „Das darf man nicht wie ein Gesetz aufstellen. Wenn ihr es so beschlossen habt – nun, ihr habt es beschlossen, eben beschlossen.“
68. „Also darf man das aufgrund der Wünsche der anderen verschieben, ja? Und sogar darauf verzichten?“
69. „Und wie kann es bei euch anders möglich sein? Es gibt jetzt keinen Stützpunkt, auf den man sich berufen kann, dass man in diesem Fall irgendwelchen Wünschen irgendeines Menschen folgen muss. Du zeigst irgendwelche gleichgroße innere Möglichkeiten bei euch auf und willst irgendeine einzige Entscheidung darüber erfragen, wo bei diesen gleichgroßen Möglichkeiten alle unterschiedliche Bestrebungen haben.
70. Irgendeine einzige Regel kann in diesem Fall nicht gegeben werden. So, wie ihr es schafft, euch zu einigen, so wird es auch angebracht sein.“
71. „Und entsprechen diese eineinhalb Stunden von diesen vier Stunden der heiligen Zeit?“
72. „Auf die Weise kann die heilige Zeit nicht hervortreten – für eineinhalb Stunden. Es gibt kein solches Gesetz in der Wahrheit, dass eineinhalb Stunden lang oder eine – wirklich die heiligste Zeit ist. Wird es weniger werden – so war's das dann, das war dann schon keine geheiligte Zeit mehr. Auf die Weise wird das nicht definiert. Es wird so, wie ihr das selbst festsetzen werdet. So weit, wie ihr zu etwas herangereift seid.“
73. „Also, wenn die Mehrheit meint, dass es durchaus möglich ist, die Schrift nicht gemeinsam zu besprechen, dann...“
74. „Folglich habt ihr diesen Wert. Dem ihr auch entsprecht.“
75. „Und diejenigen, die nicht so denken, dürfen die sich vereinigen?“
76. „Somit sollen sie irgendwie zusammenkommen und dem ihre Zeit widmen.
77. Wenn du im gegebenen Fall so gefragt hättest: "Und wenn es eine Gruppe von Menschen gibt, die keine völlig oberflächlichen Themen besprechen möchte, Themen, bei denen es nicht möglich ist, die Schrift zu erörtern, zu studieren, zu untersuchen, dürfen wir dann diesbezüglich separat zusammenkommen?" – ja, natürlich, ihr dürft. Darf man überhaupt die ganze Versammlung nur allein diesem Studium widmen? Ja, bitte. Also hier entscheidet dann schon selbst.
78. Die Tatsache, dass ihr zusammenkommt, ist in keiner Weise durch das Gesetz bestimmt. Und darum darf man dort nicht eindringen, um zusätzliche Gesetze aufzustellen. Das wurde ursprünglich nicht durch das Gesetz definiert. Nun, ist man zusammengekommen – so ist das euer Wunsch, euer schöpferisches Suchen.
79. Und man darf das nicht irgendwie trocken durchsetzen. Denn heute können sie (die Versammlungen, Anm. d. Übers.) so sein, morgen können sie, abhängig von der Entwicklung der Situationen, von völlig veränderter Qualität sein. Und mögen sie sich ändern – das ist normal. Die Verhältnisse selbst bewegen euch zu dieser Veränderung. Das ist normal.
80. Also, denkt nach. Natürlich, für Gläubige ist dieses Studieren der Schrift am wichtigsten. Aber wiederum ist es eine Sache – wenn ihr einfach zum einigenden Verständnis kommt, wobei ihr etwas aus der Schrift entnommen habt, irgendeine Situation, und beginnt, sie zusammen zu besprechen: Wie seht ihr diesen Hinweis? In welchen konkreten Handlungen kann sich jeder von euch dies vorstellen, sehen?
81. Und was anderes – sind eure persönlichen Lebensprobleme. Sofort bringt ihr sie ein, und auch mittels der Schrift versucht ihr das in Einklang zu bringen, zum einheitlichen Verständnis zu kommen. Dies wird sogar interessanter sein.
82. Denn das ist lebensnah, es wird sofort angewendet werden. Aber nicht so: Ihr nehmt das zur Kenntnis, habt etwas verstanden, habt etwas im Kopf gespeichert und werdet es zukünftig irgendwo richtig erfüllen. Eine lebendige Situation ist wertvoller. Aber sie soll dann schon wirklich interessant sein, nicht aber ein und dieselbe bei allen.“
83. „Lehrer, meine Freundin hat ihrerseits die Beziehung zu mir aufgegeben (vier Jahre lang hat sie in Petropawlowka gelebt, und danach ist sie mit ihrem Mann weggezogen). Als sie in Moskau angekommen war, habe ich sie mit solcher Freude angerufen, wobei ich dachte, dass wir ein gutes Verhältnis haben, hörte aber die Antwort: "Unsere Wege sind auseinandergegangen." Sie sagte, dass es eine Zeit gab, wo sie mir zugehört hat und jetzt denke (wrtl. lebe) sie mit ihrem eigenen Kopf. Ich habe noch versucht zu sagen, sie möge nicht voreilig unsere Freundschaft so plötzlich aufgeben, aber als Antwort vernahm ich, dass sie aufgelegt hatte. Und ich will Dich fragen: Wenn ich irgendwann einmal nach Moskau komme, soll ich sie anrufen und fragen, ob sie immerhin zu dieser Art Gespräch zurückkehren möchte, oder soll ich sie wirklich loslassen?“
84. „Es ist nicht nötig nachzufragen.“
85. „Und ich soll auch nicht anrufen, ja?“
86. „Nicht nötig. Wenn der Mensch selber während des Gesprächs aufgelegt hat, kann man seine Anwesenheit nicht länger aufdrängen. Es reicht hier völlig, dass ihr nicht anruft.“
87. „So eine Erklärung habe ich nicht zum ersten Mal gehört, wo Menschen manchmal abrupt alles durchstreichen wollen und weggehen. Und mir tut es irgendwie in der Seele...“
88. „Lass es sie durchstreichen. Ausradieren können nur Kinder. Wenn im Innern noch das kindliche Verhalten gegenüber der Welt vorhanden ist, so mögen sie ausradieren. Nichts Schlimmes. Anders gelingt es ihnen auch nicht.
89. Das heißt, man kann nicht irgendwie im Nu schnell erwachsen werden. Wenn sich ein Mensch noch wie ein Kind gegenüber der Welt verhält, so sind, um reif zu werden und wirklich erwachsen zu werden, noch viele Jahre erforderlich. Deswegen, wenn es sich da um eine charakteristische Äußerung handelt, was zunächst von der Jugend der Seele spricht, so soll man erlauben, kategorische, abrupte Bewegungen zu machen. Sie sind in diesem Fall natürlich. Und es wird nicht gelingen, das von außen (wrtl. von der Seite) zu ändern, solange, bis der Mensch selbst zu Größerem heranreift.
90. Wenn ihr irgendwie abrupt aufgegeben habt miteinander zu kommunizieren, dann ist es richtig, dass ihr als erste all dies wieder herstellt. Wenn aber jemand anderer mit euch abrupt die Verbindung unterbrochen hat, so soll man sich hier nicht aufdrängen. Wenn sich der Mensch beruhigt, wird er selbst verstehen, dass er selber anrufen soll. Aber er muss sich beruhigt haben. Er wird irgendwie das Verhältnis wieder herstellen müssen. Er wird von selbst darauf kommen müssen.“
91. „Lehrer, sag' bitte, ob diejenigen in Petropawlowka, die das wollen, eine Ortsgruppe der Einigen Familie vom Berg gründen dürfen?“ (In den Dörfern der Gemeinschaft gibt es jeweils auf Anraten des Lehrers hin den freiwilligen Zusammenschluss der Nachfolger zur Einigen Familie – EF – wobei die EF der Bergsiedlung in der Regel als Vorbild eingeschätzt wird. Anm. d. Übers.)
92. „Oho! Nun, so mutig sprichst du das aus! Also, du bist schon einer von den Ersten, die das wollen? Und jetzt möchtest du so eine Gesellschaft um dich herum vereinen? Weil sich da alle so quälen, es gibt solche, die wünschen sich zu realisieren, und es wird ihnen nicht ermöglicht? Nein, das ist nicht nötig.
93. Man muss sich darauf stützen, was es gibt und versuchen, daran teilzunehmen, sodass dies allmählich zu etwas wirklich Gutem heranreift.
94. Und so neigt ihr vorschnell zu irgendwelchen besonderen separaten Gruppen, und es scheint allen, dass, wenn man etwas Separates schafft, so wird dies bei weitem besser sein, als das, was es gibt.
95. Ja, in irgendeinem kleinen Kreis ist dies durchaus möglich. In einem kleinen Kreis. Wenn sich aufgrund ihrer Interessen die am meisten nahestehenden Leute zusammenfinden, so kann man einen kleinen Kreis mit interessanten Eigenschaften ins Leben zu rufen.
96. Aber wir stellen nicht die Aufgabe, kleine Gruppen zu schaffen. Vor euch steht die Aufgabe – euch aufgrund eurer großen Menge zusammenzuschließen. Und da geht es um eine riesige Vielfalt eurer Interessen, Ansichten, Einschätzungen, Denkvermögen, psychische Eigenschaften. Eine große Vielfalt.
97. Und dies zu Einem zusammenbringen zu können, sich zu organisieren, einander zu vertrauen – gerade dies ist auch die eigentliche nicht einfache Aufgabe. Man muss versuchen, sie zu lösen.
98. Ihr habt doch auf der ganzen Erde eine Familie zu erschaffen. Stell dir das vor! Nicht aber in Petropawlowka einige kleine Gruppen mit irgendwelchem besonderen Interesse und mit dem Gefühl einer gewissen Exklusivität (wo etwas ihnen gerade besser als all den anderen gelingt).
99. Das, was auf dem Berg ist - das ist doch auch nicht das Ideal. Hier gibt es auch eine Menge verschiedener Komplikationen, Fehler, die man macht... die man korrigiert. Es werden einfach bei ihnen noch bestimmte Bedingungen eingegeben, die sie irgendwie sogar noch nötigen (vielleicht ist es angemessen, das auch sogar so zu nennen), etwas besser zu lösen. Aber das ist vorerst einmal so – das Nötigen.
100. Dies ist vielleicht noch kein inneres Bedürfnis, etwas richtig zu lösen, sondern sie sind im Zusammenhang mit den eingegebenen Bedingungen gezwungen, es so zu machen. Darum sieht dann etwas schon gut aus...“
101. „Und darf ich noch eine Frage stellen? Der Koordinator der Einigen Familie ließ einen Bruder nicht auf den Berg gehen, und ich sagte am Ende des Gesprächs zu ihm: "Du gehst selber nicht auf den Berg und den Menschen lässt du auch nicht gehen." Sind solche Worte eine Verurteilung?“
102. „Irgendwie ist dies natürlich ein scharfer Ausdruck. Aber Ich würde nicht sagen, dass man das so niemals verwenden darf. Durchaus möglich, dass in irgendeinem Fall so etwas zum Aufrütteln gebraucht wird.
103. Aber Ich möchte euch auch nicht sagen: "Das ist normal, macht das, redet so", weil ihr die Neigung habt, Ich weiß das, eine große Neigung zu harten Einschätzungen in Bezug zueinander, und ihr greift leicht danach, was wirklich Verurteilung sein kann.
104. Aber Ich hätte es sehr gern, wenn ihr einander ab und zu irgendwie aufrütteln könntet. Ich möchte das ja auch. Weil es vorkommt, dass tatsächlich gewisse Verhaltensweisen vonseiten eurer Nächsten gar nicht gut sind.
105. Also, der Mensch lässt sich von etwas mitreißen, keiner rüttelt ihn, und er kann sich wirklich mitreißen lassen und immer mehr zur Seite gehen, ohne es zu bemerken. Nur deshalb, weil ihn niemand verurteilen soll, und keiner kann ihn auf natürliche Weise sozusagen kritisch einschätzen, und folglich kann ihm keiner einen richtigen Hinweis geben. Dann kann man natürlich ausgezeichnete Fehler machen.
106. Ich möchte, dass eben jeder von euch es sich sehr wünscht, dass man ihn persönlich aufrüttle. Dass ihr selbst euch nicht gedrängt seht umher zu laufen und den anderen aufzurütteln, sondern dass ihr es wünscht, dass jemand euch aufrüttelt.“
107. „Und darf man in Sorge um den Koordinator vorschlagen, in der Versammlung eine Entscheidung zu treffen, dass er, angenommen, jede fünfte Woche, auf den Berg geht?“
108. „Sich um sein geistiges Wachstum kümmern? Weißt du, das wird nicht richtig sein. Es wäre gut, seinen persönlichen Wunsch danach in Betracht zu ziehen und auf die Situation zu achten, durch die sein Wunsch auf keine Weise befriedigt werden kann und er sich irgendwo in seinem Innern quält, sich aber bemüht, sich diesbezüglich demütig dazu zu verhalten. Und dann wird so ein Vorschlag ideal sein.
109. Ob er aber selbst das will? Wenn er dies nicht will, dann sagen, dies sei günstig für sein geistiges Wachstum - so etwas kann man wirklich nicht sagen. Das ist in irgendeinem großen Sinne günstig, natürlich, aber dies wird seinen Kräften nicht entsprechen.
110. Man soll ihn jene Pfade gehen lassen, die ihm in diesem Moment eigen sind. Um auf ihnen das zu finden, was ihm zu so einem großen Schritt zu dieser schon folgenden Stufe fehlt.“